University of Bremen







         
 

 

 

Projektgruppe "Betriebliche Konsequenzen von Arbeitssucht

Kurzinformationen

zum Forschungsprojekt: Betriebliche Konsequenzen der Arbeitssucht

In den letzten Jahren hat die Frage nach der Gesundheit und der Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten, der von gewerkschaftlicher Seite schon immer ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde, auch in der betriebswirtschaftlichen Diskussion und im Rahmen der Konzepte von Unternehmensberatern an Bedeutung gewonnen. Das hier propagierte Leitbild des engagierten und stets motivierten „Workaholic" ist innerhalb neuer betrieblicher Organisationsformen für viele ArbeitnehmerInnen schon Bestandteil ihres Arbeitsalltags geworden. Von den Beschäftigten wird zunehmend soziale Kompetenz und ein unternehmerisches Verhältnis zu ihrer Arbeitskraft erwartet. Neue Freiheiten in der Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeit sowie eine gewachsene Verantwortung fördern die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten und führen bei vielen ArbeitnehmerInnen zunächst tatsächlich zu gesteigerter Arbeitszufriedenheit.

Gleichzeitig ist eine Ausdehnung der Arbeitszeiten und ein Anwachsen insbesondere von psychischen Belastungen zu beobachten. Blickt man heute auf die betriebliche Wirklichkeit, sind vielfach Minderleistungen durch Stress, Mobbing und Burn-out-Syndrome Begleiterscheinungen moderner Arbeitsverhältnisse. Der allgegenwärtige Druck des Marktes und zunehmender Stress führen die Beschäftigten nicht selten in scheinbar ausweglose psychische Situationen. Nicht zufällig nehmen Suchterkrankungen zu und häufig wird Arbeit selbst zum Bezugspunkt der Sucht.

Definition:

Arbeitssucht ist nicht einfach gleichzusetzen mit Vielarbeit. Vielmehr ist Arbeitssucht die dynamisch fortschreitende krankhafte Fixierung auf Arbeit und dient der Verdrängung psychischer Probleme, wobei die Lust an der Arbeit oder aber deren Notwendigkeit als Abwehrmechanismus gegen die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen eingesetzt wird.

Auftreten:

Arbeitssucht ist nicht nur eine Managerkrankheit, betroffen sind Männer und Frauen aus allen sozialen Schichten und mit unterschiedlichen Berufen. Die Zahl der Fälle nimmt in dem Maße zu, wie abhängig Beschäftigte mehr Verfügungsmöglichkeiten über ihre Arbeitszeit bekommen. Schätzungen zufolge sind inzwischen ca. 500.000 Menschen arbeitssüchtig.

Merkmale:

Arbeitssüchtige weisen dieselben Krankheitsbilder wie Alkoholiker auf, nämlich gestörte Kommunikation, keine Teamfähigkeit, Kontrollverlust, der zu Fehlentscheidungen führt. Neben schweren psychischen Störungen treten Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen auf.

Verlauf:

  1. Verschleierung des Suchtverhaltens, rauschhaftes Arbeiten;
  2. Kontrollverlust, gestörte Kommunikation;
  3. destruktives Suchtverhalten, Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab;
  4. frühes Ausscheiden aus dem Berufsleben oder vorzeitiger Tod.

Problem:

Die Beschäftigung von Arbeitssüchtigen stellt ein Investitionsrisiko dar, weil sie Aufgaben nicht strukturieren können und unfähig sind, im Team zu arbeiten. Die gängige Auffassung, Arbeitssüchtige seien wegen ihrer leistungsorientierten Arbeitsweise in bezug auf die Aufgabenerfüllung besonders produktiv, ist nicht aufrechtzuerhalten. Problematisch sind besonders arbeitssüchtige Vorgesetzte, denn sie können weder delegieren noch angemessen kommunizieren. Nicht nur Fehlzeiten, Arbeitsunfälle, sinkende Leistungsfähigkeit und unzureichende Arbeitsqualität verursachen Kosten, sondern durch Störungen in der Arbeitsorganisation entstehen Fluktuations-, Koordinations- und Konfliktbewältigungskosten.

Projekt:

In der Vorstudie soll – in verschiedenen Branchen – die Relevanz der Hypothese untersucht werden, dass eine enge Verbindung besteht zwischen Neuer Arbeitsorganisation und einer Zunahme von Arbeitssucht. Gibt es betriebliche Erfahrungen im Umgang mit Arbeitssucht? – Etwa in Betriebsvereinbarungen? Hierzu sollen Interviews mit betrieblichen Funktionsträgern durchgeführt sowie ein Überblick über bereits bestehende Betriebs-/Dienstvereinbarungen zum Gesundheitsschutz erstellt werden.
In einer breiter angelegten Hauptstudie sollen später durch vertiefende Expertengespräche sowie durch qualitative Mitarbeiterbefragungen die Wirkungen der organisatorischen und kommunikativen Strukturen des Betriebes in bezug auf den individuellen Umgang mit Arbeit herausgearbeitet werden. Es können so Problembereiche identifiziert und in einem zu entwickelnden Beratungskonzept Vorschläge für eine Verbesserung der innerbetrieblichen Kommunikation unterbreitet werden, die geeignet sind, die Voraussetzungen für einen gesunden Umgang mit Arbeit zu schaffen. Der Schlüssel liegt in der Vermittlung von Orientierungswissen und in der Entwicklung problemlösender Handlungskonzepte, die geeignet sind, ein effizientes und kompetentes Kommunikationsmanagement sicherzustellen. Gemeinsam mit Betriebsrat und Unternehmensleitung - und unter Beteiligung des betriebsärztlichen Dienstes, der Suchtberatung etc. - soll geprüft werden, inwieweit bestehende Betriebsvereinbarungen auf Arbeitssucht ausgedehnt werden sollten oder auf welche andere Art Regelungen zu Arbeitssucht getroffen werden könnten.

Ziele:

  • Verbesserung des betrieblichen Gesundheitsschutzes;
  • Entwicklung geeigneter Konzepte zum Umgang mit Betroffenen;
  • Veränderung stressauslösender Organisationsstrukturen;
  • Überwindung der destruktiven Konkurrenz, die durch gestörte Kommunikationsstrukturen entsteht.
  • Herstellung von Kommunikationsfähigkeit zur Stärkung innerbetrieblicher Abläufe und betrieblicher Effizienz.

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