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Kurzinformationen
zum
Forschungsprojekt: Betriebliche Konsequenzen der Arbeitssucht
In den
letzten Jahren hat die Frage nach der Gesundheit und der
Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten, der von gewerkschaftlicher
Seite schon immer ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde, auch in der
betriebswirtschaftlichen Diskussion und im Rahmen der Konzepte von
Unternehmensberatern an Bedeutung gewonnen. Das hier propagierte
Leitbild des engagierten und stets motivierten „Workaholic" ist
innerhalb neuer betrieblicher Organisationsformen für viele
ArbeitnehmerInnen schon Bestandteil ihres Arbeitsalltags geworden. Von
den Beschäftigten wird zunehmend soziale Kompetenz und ein
unternehmerisches Verhältnis zu ihrer Arbeitskraft erwartet. Neue
Freiheiten in der Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeit sowie eine
gewachsene Verantwortung fördern die Leistungsbereitschaft der
Beschäftigten und führen bei vielen ArbeitnehmerInnen zunächst
tatsächlich zu gesteigerter Arbeitszufriedenheit.
Gleichzeitig
ist eine Ausdehnung der Arbeitszeiten und ein Anwachsen insbesondere von
psychischen Belastungen zu beobachten. Blickt man heute auf die
betriebliche Wirklichkeit, sind vielfach Minderleistungen durch Stress,
Mobbing und Burn-out-Syndrome Begleiterscheinungen moderner
Arbeitsverhältnisse. Der allgegenwärtige Druck des Marktes und
zunehmender Stress führen die Beschäftigten nicht selten in scheinbar
ausweglose psychische Situationen. Nicht zufällig nehmen
Suchterkrankungen zu und häufig wird Arbeit selbst zum Bezugspunkt der
Sucht.
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Definition: |
Arbeitssucht ist nicht einfach gleichzusetzen
mit Vielarbeit. Vielmehr ist Arbeitssucht die dynamisch
fortschreitende krankhafte Fixierung auf Arbeit und dient der
Verdrängung psychischer Probleme, wobei die Lust an der Arbeit
oder aber deren Notwendigkeit als Abwehrmechanismus gegen die
Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen eingesetzt wird. |
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Auftreten: |
Arbeitssucht ist nicht nur eine
Managerkrankheit, betroffen sind Männer und Frauen aus allen
sozialen Schichten und mit unterschiedlichen Berufen. Die Zahl der
Fälle nimmt in dem Maße zu, wie abhängig Beschäftigte mehr
Verfügungsmöglichkeiten über ihre Arbeitszeit bekommen.
Schätzungen zufolge sind inzwischen ca. 500.000 Menschen
arbeitssüchtig. |
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Merkmale: |
Arbeitssüchtige weisen dieselben
Krankheitsbilder wie Alkoholiker auf, nämlich gestörte
Kommunikation, keine Teamfähigkeit, Kontrollverlust, der zu
Fehlentscheidungen führt. Neben schweren psychischen Störungen
treten Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck und
Herz-Kreislauferkrankungen auf. |
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Verlauf: |
- Verschleierung des Suchtverhaltens,
rauschhaftes Arbeiten;
- Kontrollverlust, gestörte Kommunikation;
- destruktives Suchtverhalten,
Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab;
- frühes Ausscheiden aus dem Berufsleben
oder vorzeitiger Tod.
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Problem: |
Die Beschäftigung von Arbeitssüchtigen stellt
ein Investitionsrisiko dar, weil sie Aufgaben nicht strukturieren
können und unfähig sind, im Team zu arbeiten. Die gängige
Auffassung, Arbeitssüchtige seien wegen ihrer
leistungsorientierten Arbeitsweise in bezug auf die
Aufgabenerfüllung besonders produktiv, ist nicht
aufrechtzuerhalten. Problematisch sind besonders arbeitssüchtige
Vorgesetzte, denn sie können weder delegieren noch angemessen
kommunizieren. Nicht nur Fehlzeiten, Arbeitsunfälle, sinkende
Leistungsfähigkeit und unzureichende Arbeitsqualität verursachen
Kosten, sondern durch Störungen in der Arbeitsorganisation
entstehen Fluktuations-, Koordinations- und
Konfliktbewältigungskosten. |
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Projekt: |
In der Vorstudie soll – in verschiedenen
Branchen – die Relevanz der Hypothese untersucht werden, dass
eine enge Verbindung besteht zwischen Neuer Arbeitsorganisation
und einer Zunahme von Arbeitssucht. Gibt es betriebliche
Erfahrungen im Umgang mit Arbeitssucht? – Etwa in
Betriebsvereinbarungen? Hierzu sollen Interviews mit betrieblichen
Funktionsträgern durchgeführt sowie ein Überblick über bereits
bestehende Betriebs-/Dienstvereinbarungen zum Gesundheitsschutz
erstellt werden.
In einer breiter angelegten Hauptstudie sollen
später durch vertiefende Expertengespräche sowie durch
qualitative Mitarbeiterbefragungen die Wirkungen der
organisatorischen und kommunikativen Strukturen des Betriebes in
bezug auf den individuellen Umgang mit Arbeit herausgearbeitet
werden. Es können so Problembereiche identifiziert und in einem
zu entwickelnden Beratungskonzept Vorschläge für eine
Verbesserung der innerbetrieblichen Kommunikation unterbreitet
werden, die geeignet sind, die Voraussetzungen für einen gesunden
Umgang mit Arbeit zu schaffen. Der Schlüssel liegt in der
Vermittlung von Orientierungswissen und in der Entwicklung
problemlösender Handlungskonzepte, die geeignet sind, ein
effizientes und kompetentes Kommunikationsmanagement
sicherzustellen. Gemeinsam mit Betriebsrat und Unternehmensleitung
- und unter Beteiligung des betriebsärztlichen Dienstes, der
Suchtberatung etc. - soll geprüft werden, inwieweit bestehende
Betriebsvereinbarungen auf Arbeitssucht ausgedehnt werden sollten
oder auf welche andere Art Regelungen zu Arbeitssucht getroffen
werden könnten.
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Ziele: |
- Verbesserung
des betrieblichen Gesundheitsschutzes;
- Entwicklung
geeigneter Konzepte zum Umgang mit Betroffenen;
- Veränderung
stressauslösender Organisationsstrukturen;
- Überwindung
der destruktiven Konkurrenz, die durch gestörte
Kommunikationsstrukturen entsteht.
- Herstellung
von Kommunikationsfähigkeit zur Stärkung innerbetrieblicher
Abläufe und betrieblicher Effizienz.
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