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Beiträge zur sozialökonomischen Handlungsforschung |
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Nr. 3 |
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Falsche Kategorien
oder verkehrte Welt? |
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0. Einleitung „Die Nationalökonomie ist eine merkwürdige Wissenschaft. Die Schwierigkeit und der Streit der Meinungen beginnt schon bei dem ersten Schritt, den man auf ihr Gebiet tut, schon bei der allerelementarsten Frage: Was ist der eigentliche Gegenstand dieser Wissenschaft? Der einfache Arbeiter, der nur eine ganz vage Vorstellung davon hat, was die Nationalökonomie lehrt, wird seine Unklarheit der eigenen mangelhaften allgemeinen Bildung zuschreiben. Doch teilt er sein Mißgeschick diesmal in gewissem Sinne mit vielen gelehrten Doktoren und Professoren, die über die Nationalökonomie dickbändige Werke schreiben und Vorlesungen für die studierende Jugend an den Universitäten halten. So unglaubwürdig es klingt, so ist es doch Tatsache, daß die meisten Fachgelehrten der Nationalökonomie einen sehr verschwommenen Begriff davon haben, was der wirkliche Gegenstand ihrer Gelehrsamkeit ist.“ (Rosa Luxemburg) ‚Globalisierung‘ scheint derzeit das Thema zu sein, welches die Gemüter und Köpfe in Politik, Journalismus und Wissenschaft reizt und bewegt. Ablesbar ist dies nicht nur an der kaum noch zu überschauenden Flut von Aufsätzen und Büchern über die ökonomische Globalisierung, sondern auch daran, daß inzwischen das Wort zu einem Kollektivsymbol in der Öffentlichkeit geworden ist. Freilich scheint mit dem allgegenwärtigen Gebrauch der Inhalt dieses Schlagwortes immer dürftiger zu werden. Letzteres ergibt sich wohl daraus, daß es irgendwie synonym für die unbegriffenen und unschönen Erscheinungen der kapitalistischen Weltmarktdynamik steht. Indessen dreht sich hierzulande die öffentliche Globalisierungsdiskussion gerade nicht um die allseits bekannte Verelendung der Mehrheit der Menschen, sondern um die ‚ernsthaften‘ nationalen ‚Probleme‘ des ökonomischen Wachstums und die damit verbundene Krise sowohl der Vollbeschäftigung als auch der Staatsfinanzen, welche umstandslos mit der behaupteten qualitativen Veränderung der Weltwirtschaft in Verbindung gebracht und deshalb vorrangig begutachtet werden. Praktische, aber ziemlich gleichklingende Handlungsvorschläge fehlen daher in der Bundesrepublik auch nicht: Durch die konkurrierenden Parteien, Gewerkschaften, Unternehmerverbände etc. und ihren wissenschaftlichen Vordenkern werden diese wie neue Kochrezepte in der Öffentlichkeit monoton vorgetragen, um der allseits beklagten Wachstumsschwäche der ‚Deutschland AG‘ politisch mittels einer Erhöhung der internationalen Konkurrenz- und Leistungsfähigkeit erfolgreich begegnen zu können [1].
Inzwischen
hat jedoch der inflationäre Gebrauch des Wortes Globalisierung politischen
und wissenschaftlichen Widerspruch hervorgerufen. Insbesondere in der
gesellschaftskritischen Fraktion der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft wird
die Globalisierungsthese höchst kontrovers diskutiert (vgl. Ziebura 1996),
welche sich vor allem um die Quantität der ökonomischen Weltmarktentwicklung
rankt. Diesen Streit über den Erklärungsgehalt der Globalisierungsthese will
ich hier anhand einiger Beiträge nur in groben Zügen nachzeichnen, um
anschließend vor allem den hierzu gemeinsam und unbedarft von den
gesellschaftskritischen Autoren vorausgesetzten ökonomisch-qualitativen
Rahmen ihrer Argumentation unter Rückgriff auf die Marxsche Kritik der
Ricardoschen Außenhandelstheorie zu problematisieren. Hierdurch soll das
sowohl von den Gegnern als auch von den Befürwortern der Globalisierungsthese
sorglos aus der Wirtschaftswissenschaft aufgegriffene kategoriale Gerüst der
Ricardoschen Außenhandelstheorie und der Drei-Sektorentheorie als eine
theoretisch zweifelhafte und unzureichende Grundlage für eine
Weltmarktanalyse kritisiert werden. Die gesellschaftskritischen Theoretiker
sitzen damit nämlich einem institutionalisierten Empirismus des falschen,
aber realen Scheins der bürgerlichen Gesellschaft auf, wie er in der behördlichen
Statistik und Wirtschaftswissenschaft gehegt und gepflegt wird. Aus diesem
Grund wird der selbstzweckhafte Expansions-, Funktions- und
Reproduktionsprozess des Kapitals, einschließlich der ihm eigentümlichen
Entwicklungsgrenzen, nicht nur kategorial falsch gefaßt, sondern vielmehr in
seiner ökonomischen Qualität zu einem stofflichen, überhistorischen
Funktionszusammenhang verkehrt und damit mystifiziert. Insoweit wird der
eigentliche Gegenstand der Auseinandersetzung über die „Globalisierung“
verfehlt. Dies wiederum verweist auf eine mangelhafte Rezeptionsweise und
Fortführung der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie, welche vom
eigenen Anspruch her nicht nur eine Kritik der in der Wirtschaftswissenschaft
bzw. Sozialwissenschaft verwendeten Kategorien, sondern vor allem auch eine adäquate
Darstellung und Bestimmung derselben beinhaltet. Der Ausgangspunkt der
Marxschen Theorie ist daher im Gegensatz zur Diskussion im
Globalisierungsstreit nicht die Frage nach der „ungerechten“ Ver- bzw.
Aufteilung des ökonomischen Reichtums zwischen Staaten und Konzernen, sondern
nach der in der bürgerlichen Gesellschaft konstituierten ökonomischen Qualität
der Arbeitsteilung und des damit gesetzten Reichtums. Es ist diese besondere
und von allen vorbürgerlichen Formen verschiedene ökonomische Qualität, die
die Marxsche Theorie im Gegensatz zur heutigen Sozial- und
Wirtschaftswissenschaft zum Kernproblem einer adäquaten Theorie der
kapitalistischen Vergesellschaftung erhoben hat. Indessen wird nur am Rande
des Globalisierungsstreites der inzwischen allseits eingeläutete Abschied von
der Marxschen Theorie ausgesprochen, wenn es heißt, daß die
gesellschaftskritischen Autoren längst „auf eine werttheoretische
Absicherung ihrer Argumente“ verzichten (Hübner 1998, 134). Deshalb knüpft
man wohl auch viel lieber an die alt hergebrachten Theoreme der Ricardoschen
Außenhandelstheorie und der Drei-Sektorentheorie an, um diese dann zu
Kernelementen einer ‚kritischen‘ Theorie des Weltmarkts zu erheben. Dies
hat jedoch zur Folge, daß die Autoren den kapitalistischen
Weltmarktzusammenhang aufgrund der von ihnen verwendeten ricardianischen
Kategorien des inter- und intra-sektoralen Handels und der Dienstleistung in
ökonomisch-qualitativer Hinsicht auf einen vorgesellschaftlichen
Arbeitsteilungsprozeß zurückbiegen müssen, d.h., die Arbeitsteilung wird in
und zwischen den Staaten kategorial als ein rein technischer Prozeß gefaßt.
Soweit unterscheiden sich die gesellschaftskritischen Autoren von ihren
wirtschaftswissenschaftlichen Kollegen nur noch in ihrer abweichenden
Bewertung der ökonomischen Entwicklungsdynamik des Weltmarktes, nicht aber
mehr durch eine adäquate Bestimmung des Gegenstandes ihrer Wissenschaft und
damit durch einen anderen Zugriff auf die kapitalistische Realität. Diese von
den Autoren offensichtlich nicht bewußt gesehene Konsequenz entspringt
daraus, dass sie - wie in der Wirtschaftswissenschaft üblich - die ökonomischen
Kategorien aus der Sphäre des praktischen Alltagslebens theoretisch
unreflektiert aufgreifen und anschließend daraus ein Modell des ökonomischen
Wirtschaftens konstruieren, ohne aber vorher eine ökonomisch-qualitative
Bestimmung der kapitalistischen Arbeitsteilung und der damit konstituierten
Kategorien entwickelt zu haben. Mit dieser pragmatischen oder ökonomistischen
Herangehensweise geht zudem der eigentlich wissenschaftliche Anspruch
verloren, den inneren sozial-ökonomischen und damit den qualitativen
Zusammenhang zwischen den empirisch aufgegriffenen Kategorien zu erklären und
darzustellen. Jedoch diese bei den Autoren fehlende Grundlage erlaubt es m.E.
erst, die ökonomisch-quantitative Dynamik des Weltmarktes adäquat zu
bestimmen und zu fassen. Soweit glauben die gesellschaftskritischen Autoren
auch an die pure Faktizität der statistischen Aussagen als Aussagen über die
gesellschaftliche ‚Realität‘, ohne deshalb zu bemerken, dass sie damit
selbst einer besonderen theoretisch vermittelten empirischen, aber
„falschen“ bzw. verkehrten „Realität“ aufsitzen. Daher ist es mehr
als fraglich, ob der Globalisierungsstreit überhaupt eine gehaltvolle
Bestimmung und Erklärung der Weltmarktdynamik hervorbringen kann bzw.
hervorgebracht hat, welche nicht schon in kürzester Zeit wieder über den
Haufen geworfen wird. 1. Der Streit um die Globalisierung Die umstrittene Globalisierungsthese fasst verschiedene Phänomene des Weltmarktes zu einer Entwicklungstendenz zusammen, welche eine neue ökonomische Qualität der internationalen Arbeitsteilung begründen soll. Infolgedessen wird aufgrund der wachsenden Bedeutung des Weltmarktes für die ökonomische Reproduktion der Industriestaaten von einer beschleunigten Erosion staatlicher Regulierungskompetenz zur Förderung des Wirtschaftswachstums ausgegangen, welche u.a. die Zunahme der sozialen Polarisierungen erklären soll. Die Entwicklungstendenz des Weltmarktes schließt für die Autoren z.B. den auf einem historisch neuen Niveau befindlichen Welthandel, die wachsende Internationalisierung der Banken und Aktienmärkte, die zunehmende ökonomische Instabilität durch Devisen- bzw. Finanzspekulationen als auch die internationale Reorganisation, Vernetzung und Ausdehnung der Konzerne und die ‚Entstofflichung‘ des Welthandels durch die Internationalisierung der ‚Dienstleistungen‘ ein. Dynamisch angetrieben wird diese Entwicklung nach Auffassung der Globalisierungstheoretiker insbesondere durch die stattfindende und kostensenkende Beschleunigung und Ausdehnung der Transport- und Kommunikationssysteme in und zwischen den Staaten (vgl. Neyer 1995a u. b; Narr/Schubert 1994; Altvater/Mahnkopf 1996; Ziebura 1996). Damit steht für einige Autoren fest, daß diese und andere Phänomene zu einer „qualitativ neuen Struktur“ der Weltwirtschaft geführt haben (Neyer 1995, 107), die auch nicht mehr in den alten Kategorien der Sozialwissenschaft hinreichend erfaßt und erklärt werden kann (ebd.; Beck 1997). Letztere unterliegt nämlich immer noch einem heutzutage überholten „methodologischen Nationalismus“ (Beck 1997, 115), welcher einen nationalstaatlichen Gestaltungsanspruch unterstellt, der inzwischen bzw. im wachsenden Maße durch die Weltmarktdynamik erodiert wurde bzw. wird [2]. Der kapitalistische Weltmarkt soll sich demzufolge in seiner Funktions- und Wirkungsweise grundlegend verändert haben: Ist zur kapitalistischen Konkurrenz der Kapitale auf dem Weltmarkt um einen Extraprofit ein entscheidend neues Moment hinzugekommen? Ist gar die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie angesichts der „Globalisierung“ veraltet und müssen daher die dort gemachten Aussagen über die Funktionsweise des kapitalistischen Produktionsverhältnisses revidiert werden? Zumindest in der Politikwissenschaft wird dies wohl so gesehen, wenn dort die Forderung erhoben wird, „synthetische Forschungsansätze“ zu entwickeln, statt „simplen Kategorisierungen“ aufzusitzen, um „eine angemessene Ansatzhöhe zur Theoriebildung“ erreichen zu können: Das „Phänomen der „Globalisierung““ stellt „auch für die politikwissenschaftliche Analyse eine Herausforderung“ dar (Grande/Risse 2000, 238f.). Allerdings wird auch vor eindimensionalen „Denkfallen der Globalisierung“ gewarnt, welche eine differente ökonomisch-quantitative Analyse der Globalisierung durch eine inszenierte Dramatik ersetzen (Beck 1997, 195ff.). Denn die Begrifflichkeit Globalisierung wird inzwischen als „Bestandteil einer ideologischen Offensive“ mißbraucht, um die vorherrschende „Politik der neoliberalen Restrukturierung zu legitimieren“ (Hirsch 1995a, 23). Von Beobachtern des bisherigen Verlaufs der Globalisierungsdiskussion wird deswegen schon zu Protokoll gegeben, daß der „Begriff Globalisierung“ auch in der „wissenschaftlichen Literatur“ ein „Schlagwort“ geblieben wäre, weshalb „keine einheitliche Definition“ vorzufinden ist (Friedrichs 1997, 3), die Auskunft darüber geben könnte, was eigentlich präzise darunter zu verstehen ist. Zuweilen, meint ein Autor, „gewinnt man den Eindruck, jeder hat seine eigene (positive oder negative) Globalisierungsphilosophie“ (Bieling 1997, 1). Darüber hinaus sehen einige Skeptiker in der Globalisierungsthese einen „pessimistischen Grundton“ am Werk, welcher mit „apokalyptischen Vorstellungen“ verknüpft ist und nicht viel mit der empirischen Realität und der historischen Entwicklung des Außenhandels zu tun habe (Paqué 1995, 3). Schließlich wird auch betont, daß die „Globalisierungstendenzen in der Weltwirtschaft keine eigentlich neuen Erscheinungen, sondern die Fortsetzung von Entwicklungen (sind), die schon lange bestehen. Sie sind in den meisten Fällen auch nicht plötzlich oder schubartig aufgetreten, sondern eher gradueller Natur. Insofern tritt auch der Anpassungsbedarf für die wirtschaftlichen Akteure nicht abrupt oder schockartig auf.“ (Mayer 1996, 10; ebenso: Hickel 1998, 174ff.) Wesentlich schärfer wird die Globalisierungsthese von einigen gesellschaftskritischen Autoren in Frage gestellt, die aber dazu tendieren, die Globalisierungsthese, unabhängig von den verschiedenen Ansätzen, zu einem höchst undifferenzierten und homogenen Gedankengebäude zu stilisieren. Die deshalb leichter zu entwickelnde Kritik an der Globalisierungsthese konzentriert sich dabei nicht auf die Problematik der ökonomisch-qualitativen Bestimmung der von den Globalisierungsautoren selbstverständlich verwendeten Kategorien, sondern allein auf die als fragwürdig eingestufte ökonomisch-quantitative Begründung der ‚Globalisierung‘. Aus diesem Grund haben einige Autoren durch einen historisch-quantitativen Vergleich der grenzüberschreitenden Handelsaktivitäten den objektiven Beweis zu erbringen versucht, daß die heutigen Industriestaaten weit von einer Globalisierung des Kapitals entfernt sind, weil die derzeitige quantitative Handelsverflechtung der verarbeitenden Industrie „nur das Niveau von vor dem Ersten Weltkrieg“ erlangt habe (Glyn/Sutcliffe 1994, 142). Aus ökonomisch-quantitativer Sicht wäre also keine neue "Qualität" feststellbar (Huffschmid 1994b, 1009; ebenso Zinn 1997, 253)[3]. Demnach ist die Globalisierungsthese „empirisch“ nicht beweiskräftig zu belegen (Burchardt 1996, 743). Infolge solcher und anderer ökonomisch-quantitativer Beweiserhebungen gelten die Globalisierungstheoretiker als Vertreter eines „technologischen Determinismus“ (Krätke 1997, 225), da sie „hysterisch“ anzumutende „Überzeichnungen“ und Verallgemeinerungen von aktuellen, aber vereinzelten ökonomischen Tendenzen des Weltmarktes darbieten (Burchardt 1996, 752), welche zudem in einer „ökonomistischen Argumentation“ eingebettet werden (Senghaas 1992, 1076). Deswegen wird die Globalisierungsthese entweder als ein aufgeblasenes „Phantom“ (Dolata 1997, 100) oder als eine „Mythenbildung“ (Zinn 1997, 254) angesehen. Außerdem wird einigen Autoren unterstellt, daß sie mit politisch zielgerichteter Absicht „handfeste Mythen“ (Krätke) geschaffen haben, um internationale als auch national-politische Regulierungsformen als überholte und wirkungslose Steuerungsformen des Kapitalwachstums mit dem Ziel zu denunzieren, die noch übrig gebliebenen Reste der politischen Steuerung endgültig auszuhebeln bzw. zu zerstören (Krätke 1997, 202). Demgegenüber weisen die gesellschaftskritischen Vertreter der Globalisierungsthese auf die - von ihren Kritikern angeblich unterschlagene - rapid gewachsene Dynamik, Verflechtung und Instabilität der internationalen Handels-, Finanz- und Kapitalbeziehungen hin (vergl. Beck 1997, 31f.). Sie sehen desweiteren in den vorliegenden empirischen Untersuchungen und Statistiken ihre Auffassung von einer neuen ökonomischen Qualität des Weltmarktzusammenhanges in der Tendenz durchaus bestätigt[4]. Deshalb betonen sie, daß es einer theoretischen Kraftanstrengung bedürfe, um die aktuellen Entwicklungen auf dem Weltmarkt adäquat erfassen zu können[5] (Ziebura 1996, 93; Neyer 1995a u. b; vgl. Röttger 1997). Infolge der ökonomisch-quantitativ festgestellten internationalen Expansion des Kapitals wird bei den Globalisierungstheoretikern von einer quasi eingetretenen Zweck-Mittel-Verkehrung oder von einem historischen Wendepunkt in der Entwicklung des Außenhandels bzw. Weltmarktes gesprochen. So wird für zahlreiche Autoren die in der Wirtschaftswissenschaft dem Außenhandel stets zugebilligte Wohlstandsvermehrung für die Industriestaaten zunehmend in Frage gestellt. Denn mit der eingetretenen Globalisierung hat sich der wohlstandsvermehrende Zweck des Außenhandels weitgehend zugunsten einer sozial ungleichen und polarisierenden Reichtumsverteilung aufgelöst: Der globalisierte „Wettbewerb“ dient „nicht mehr“ der „Erhaltung des Wohlstands ... von Nationen, sondern von transnational orientierten Minderheiten innerhalb heterogenisierter Nationen.“ (Narr/Schubert 1994, 74; Herv. von mir) Auf dieser ökonomisch-quantitativen und rein distributiv gehaltenen Grundlage, welche gar nicht mehr zwischen abstraktem und konkretem Reichtum in der bürgerlichen Gesellschaft unterscheidet und somit auch nicht mehr den spezifisch gegebenen Zusammenhang zwischen diesen zwei verschiedenen Reichtumsformen thematisiert, also den Reichtum nur noch in seiner stofflichen Form zur Kenntnis nimmt, basiert dann die weitere Argumentation der Autoren, wenn - unter Rückgriff auf die stofflich-technische Sichtweise der Dependenztheorie - ausgeführt wird, daß nun der ‚gewendete‘ Außenhandel auch die einmal technisch-stofflich herausgebildete ‚homogene‘ „Industrie- und Wirtschaftsstruktur“ immer weiter ‚inhomogenisieren‘, also zerstören wird (ebd., 59f.) [6]. Diese These von der nicht mehr existierenden stofflichen Wohlstandsvermehrung durch den Außenhandel im Zeitalter der eingetretenen Globalisierung wird auch von dem Autorenteam Altvater/Mahnkopf nachdrücklich geteilt und unterstrichen, wenn sie ausführen: „Während Adam Smith noch den ‚Wohlstand der Nationen‘ durch die Ausdehnung der nationalen und internationalen Arbeitsteilung gesteigert sah, wird heute der erfolgreichen Beteiligung an der internationalen Arbeitsteilung der ‚Wohlstand der Nation‘ zum Opfer gebracht. So haben sich die Zeiten in 300 Jahren von der frühbürgerlichen zur spätbürgerlichen Phase gewandelt. Ziele und Mittel haben sich verkehrt. Es ist nicht mehr so, daß der Wettbewerb dem ‚Wohlstand der Nationen‘ dient, sondern Gesellschaften werden durch Verzicht und Leistung zur Wettbewerbsfähigkeit formiert, um im Wettbewerb die Nase vorn zu halten, gleichgültig ob auf diese Weise das Leben im und durch den Wettbewerb besser wird.“ (Altvater/Mahnkopf 1996, 68; Herv. von mir). Nimmt man diese These ernst, dann behaupten die Autoren, daß vor dem historischen Eintreten der Globalisierung die Kategorie des Profits bloß ein verschwindendes Mittel im Außenhandel zur besseren materiellen Versorgung der Menschen in den verschiedenen Staaten, nie aber wirkliches Ziel und Zweck der kapitalistischen Form der Produktion gewesen war. Vielmehr soll erst mit dem Eintreten der Globalisierung ein selbstzweckhafter und sozial bösartiger, zerstörerischer Mechanismus der „Wettbewerbsfähigkeit“ etabliert worden sein, welcher die bislang ungestörte und vorteilhafte Vermehrung des stofflichen Reichtums zwischen den Nationen gefährdet und in Frage stellt. Eine ökonomisch-qualitative Begründung für diesen plötzlichen Wandlungsprozeß der Funktion des Außenhandels wird allerdings von den Autoren erst gar nicht entwickelt. Vielmehr wird zur Begründung des Funktionswechsels des Außenhandels allein auf die empirisch ökonomisch-quantitativ wahrgenommenen Veränderungen und auf den damit in Zusammenhang gebrachten sozialen Polarisierungsprozeß in den Industriestaaten hingewiesen. Reichtumspolarisierung in und zwischen den Staaten scheint so in den Augen der Autoren in der Entwicklung des Kapitalismus vor der nun eingetretenen Globalisierung die Ausnahme und nicht die Regel gewesen zu sein. Freilich wird gerade diese zweifelhafte ökonomisch-quantitativ begründete Verkehrungs-These von den Kritikern der Globalisierungthese entschieden abgelehnt. Allerdings nicht deshalb, weil hier eine völlig falsche ökonomisch-qualitative Bestimmung des kapitalistischen Weltmarktes vor bzw. nach der Globalisierungsphase vorgenommen wurde, sondern, weil sie im Gegensatz zu den Vertretern der Globalisierungsthese keine neue ökonomisch-quantitative Qualität auf dem Weltmarkt ermitteln konnten (Huffschmid 1994b). Auch die allseits von den Globalisierungsanhängern thematisierten sozialen ‚Probleme‘ sind in dieser Hinsicht vielmehr aus einem spezifischen politischen Kräfteverhältnis entsprungen, welches die ungleiche Verteilung des produzierten Reichtums hervorruft. Aus dieser Perspektive ist es daher immer noch im Prinzip möglich, den Weltmarkt politisch anders zu regulieren, indem man nämlich „statt auf Weltmarktüberlegenheit auf internationale Kooperation setzt“ (Huffschmid 1994, 738ff.), welche so quasi die allseits unterstellten wohlstandsvermehrenden Ideale der Ricardoschen Außenhandelstheorie durch einen Austausch von stofflich verschiedenen Gütern wirklich erst realisiert. Dadurch werden die sozialen Verwerfungen zurückgedrängt und eingeschränkt, welche aus dem derzeit dominierenden Handel mit gleichen Gütern zwischen den Staaten entspringen müssen [7] (vgl. ebenso: Jenner 1997, 70). Nicht die veränderte ökonomisch-quantitative Seite des Außenhandels, wie einige Globalisierungsautoren behaupten, schwingt demzufolge den eisernen und sozial ruinösen Taktstock, dem sich jeder alternativlos zu fügen hat, sondern die nationalstaatliche Politik in und zwischen den Ländern. Im Gegensatz zu dem derzeit vorherrschenden neoliberalen Politikprojekt wäre also ein sozial verträgliches Politik- und Wachstumsmodell auch heute immer noch realisierbar. Voraussetzung dafür ist allerdings eine entsprechende politische Mehrheit, die ihren gestalterischen Willen endlich formuliert und diesen auch gegenüber den neoliberalen Widersachern konsequent durchsetzt. Es ist also aus dieser Sicht nur eine politische Willensfrage, ob der Außenhandel einen Beitrag zur Verbesserung oder zur Verschlechterung der materiellen bzw. sozialen Lebensbedingungen der Menschen bewirkt. Die vielfach angeführten negativen sozialen Seiten des Weltmarktes bzw. der Globalisierung erweisen sich soweit als politisch reversibel. Eines fällt hier schon auf: Die Thesen über die postulierte oder bestrittene Globalisierung in der gesellschaftskritischen Diskussion weisen sowohl in ihren angeführten theoretischen als auch empirischen Aussagen große Diskrepanzen auf, weshalb sich die Frage stellt, ob hier überhaupt noch über denselben Gegenstand gesprochen wird. Dies liegt sicherlich auch daran, daß die Kritiker und Verteidiger der Globalisierungsthese die voneinander nicht abzulösenden destruktiven und zivilisierenden Seiten des historisch sich durchsetzenden Kapitalverhältnisses mehr oder weniger gegeneinander auszuspielen versuchen. Bei den Anhängern der Globalisierungsthese wird die zivilisierende Nebenwirkung der Kapitalexpansion zur eigentlichen fortschrittlichen Leistung und letztendlich zum Zweck des Außenhandels vor der Globalisierung verklärt, welche aber mit dem behaupteten Eintritt ins Zeitalter der politisch unumkehrbaren Globalisierung des Kapitals durch eine sozial destruktive, polarisierende und politisch kaum mehr steuerbare Reichtumsproduktion und -verteilung abgelöst wurde. Die Gegner der Globalisierungsthese lasten wiederum umgekehrt die heutigen sozialen Erosionen und Verarmungsprozesse nicht der stattgefundenen internationalen Kapitalexpansion in und zwischen den Staaten an, sondern einer fehlgeleiteten Regulierungspolitik des Weltmarktes durch die Nationen. Die unterstellten positiven bzw. zivilisierenden Leistungen des weltweiten Kapitalwachstums könnten in den Augen der Gegner der Globalisierungsthese erst dann wieder zur Geltung und zum Durchbruch gebracht werden, wenn eine wachstumsabstützende und eine die Nationalstaaten übergreifende kooperative Politik umgesetzt wird. Beiden Positionen ist hierbei gemeinsam, daß sie die zivilisierenden und destruktiven Resultate des Weltmarktes nicht als zwei notwendige Seiten des mit einer spezifisch ökonomischen Qualität ausgestatteten und historisch durchsetzenden Kapitalverhältnisses fassen und erklären wollen, sondern vielmehr beide Seiten des Kapitalverhältnisses voneinander trennen und isolieren, um sie dann zur Untermauerung ihres eingenommenen politischen Standpunktes instrumentell und selektiv in Anschlag zu bringen. Und entsprechend wird dann auch das von den Kritikern und Anhängern der Globalisierungsthese vorgefundene empirische Material um ihre eingenommene Position angeordnet. Inzwischen wird jedoch selbstkritisch eingestanden, daß die „diskutierten Thesen“ über die Globalisierung „häufig eine empirisch schmale Basis besitzen und eher spekulativen Charakter haben“ (Grande/Risse 2000, 245), weshalb vor „generalisierenden Schlußfolgerungen“, wie sie in der Globalisierungsdiskussion üblich geworden sind, gewarnt wird (ebd.). 2. Die ausgeklammerte ökonomische Qualität des Weltmarktes Offensichtlich wird in dem Globalisierungsstreit das vorhandene empirische Material je nach dem eingenommenen Standpunkt der Autoren passend zurechtgebogen, indem bestimmte Entwicklungen und statistisch nachweisbare ökonomische Zusammenhänge pointiert hervorgehoben werden, während andere unerwähnt bleiben bzw. als unwesentlich dargestellt werden. Zugleich bleibt in dieser empiristisch-quantitativen Auseinandersetzung eine Diskussion über den fraglichen oder begrenzten Aussagewert der erhobenen Daten für eine adäquate Weltmarktanalyse, d.h. zur genaueren Bestimmung der ökonomischen Dynamik und Verflechtung, fast immer ausgeklammert (vgl. zur allgemeinen Problematik statistischer Erhebungen und Aussagen: Costas 1985) [8]. An dieser empirisch einseitig ausgerichteten Beweisdiskussion wird unterdessen von B. Röttger auf der Grundlage einer politik-ökonomischen Hegemonietheorie des sich umwälzenden Weltmarktes bemängelt, daß „sich die Versuche, den Bruch in der kapitalistischen Formationsgeschichte in der Ergründung ökonomischer Faktizität zu qualifizieren, als denkbar schlechte Grundlage (erweisen), den Kern der globalisierungs-vermittelten Transformation der Gesellschaftsformationen zu enthüllen. Dies deshalb, weil der Umbruch gesellschaftlicher Hegemonie und die sozio-politischen Restrukturierungen der kapitalistischen Gesellschaftsformationen fast systematisch aus der Analyse ausgeblendet werden. Die These der Globalisierungs-Faktizität erschöpft sich weitgehend im resignativen Konstatieren des Niedergangs der politischen Regulation und des Aufstiegs des Weltmarktes zur umfassenden Definitionsmacht, ohne diesen Prozeß in seinen gesellschaftlichen Verhältnissen ergründen zu können. (...) Der herbe Charme der Nationalökonomie-Faktizität bzw. der Desavouierung kapitalistischer Globalisierung als Ideologie liegt dagegen darin, die neoliberale Transformation der Gesellschaften als Ergebnis einer falschen Reaktion der Politik zu versimplifizieren, die lediglich in vorauseilendem Gehorsam ihre bestehenden Interventionspotentiale nicht nutzt - die verborgenen Grundlagen neoliberaler Transformation und des Umbruchs der Hegemonie bleiben aber auch hier verschüttet.“ (Röttger 1997, 25f.; Herv. von mir). Allerdings
greift m.E. diese Kritik an der praktizierten „Globalisierungs“- bzw.
„Nationalökonomie-Faktizität" im Globalisierungsstreit viel zu kurz.
Denn es ist vielmehr höchst fraglich, ob die kapitalistische Dynamik von
Krise und Reorganisation der Kapitalkonkurrenz, 3. „Einfache Zirkulation" als Basis der Drei-Sektorentheorie und der Ricardoschen Außenhandelstheorie Die dem Globalisierungsstreit offenbar undiskutiert vorausgesetzte ökonomisch-qualitative Grundlage, welche zu einer vorwiegend stofflichen Betrachtungsweise der kapitalistischen Ökonomie führt, möchte ich sowohl anhand der aus der Drei-Sektorentheorie entspringenden Kategorie des (a) Dienstleistungssektors als auch anhand der Kategorie des (b) intersektoralen bzw. inter- und intra-industriellen Handels grundsätzlich kritisieren. Hierdurch soll verdeutlicht werden, dass die Autoren nicht nur die Kategorien der wirtschaftswissenschaftlichen Außenhandelstheorie unkritisch rezipieren und handhaben, sondern dass sie dadurch den kapitalistischen Weltmarkt kategorial auf eine „einfache Zirkulation“ (Marx), d.h. auf ein vorkapitalistisches und damit auf ein stofflich-technisches Distributionsverhältnis, reduzieren. Die entscheidende theoretische Grundlage dieser voraussetzungsvollen Kritik soll aber vorher noch anhand der bislang in der Literatur nicht rezipierten Marxschen Kritik der Ricardoschen Außenhandelstheorie kurz dargelegt und erläutert werden (vgl. ausführlich dazu: Girschner 1999a u. b). Die
Marxsche Kritik der Ricardoschen Außenhandelstheorie erhebt den Vorwurf, daß
Ricardo nicht nur den Außenhandel theoretisch nicht adäquat bestimmt und
dargelegt, sondern daß er vielmehr alle ökonomischen Kategorien des Außenhandels
auf ökonomisch unentwickelte Formen des Tauschwertes reduziert habe, die nur
im Austausch von überflüssigen Arbeitsprodukten zwischen fremden Gemeinwesen
und damit vor der historischen Durchsetzung des modernen Kapitals konstituiert
wurden. Es ist diese historisch primitive Form des Austausches, die Marx auch
als „einfache Zirkulation“ bezeichnet hat (vgl. MEW 42, 236, 245f.,
249ff.). Der Außenhandel kommt daher für Marx in der Ricardoschen Außenhandelstheorie
nicht über die einfache Zirkulation mit der Austauschform Ware-Geld-Ware
hinaus, welcher deshalb auch noch keinen ökonomischen und sich
reproduzierenden Kreislauf des Tauschwertes konstituieren kann. Diese in der
Ricardoschen Außenhandelstheorie dem kapitalistischen Außenhandel a priori
unterstellte vorkapitalistische Austauschform basiert darauf, daß nicht
privat für den Markt produzierte Waren - d.h. Waren, die mit dem Ziel von den
Privatproduzenten produziert werden, einen Profit zu realisieren, um das für
die Produktion vorgeschossene Geld selbstzweckhaft zu vermehren -, sondern überflüssige
Arbeitsprodukte aus den Gemeinwesen in den Austausch geworfen werden. So erhält
jedes Gemeinwesen dann für die in den Austausch gegebenen Produkte fremde
Arbeitsprodukte wieder zurück, die es offenbar nicht selbst produzieren kann.
Der Tauschwert, das Geld und die Warenform der Produkte konstituieren sich
daher in der Ricardoschen Bestimmung des Außenhandels nur im Moment des
Austauschaktes und gehen nicht über diesen hinaus. D.h., sie lösen sich nach
dem Austauschakt ökonomisch wieder auf, weil sie sich noch nicht selbst in
ihrer ökonomischen Qualität erhalten können. Alle die zur Bestimmung des Außenhandels
von Ricardo verwendeten ökonomischen Formen bzw. Kategorien dienen damit für
Marx letztendlich nur der neutralen Vermittlung von stofflich verschiedenen,
aber überflüssigen Produkten zwischen sich äußerlich gegenüberstehenden
Staaten. Der so gefaßte Außenhandel gleicht hier einem Feuer, wie Marx
einmal die einfache Zirkulation umschrieb, welches in sich zusammenfallen würde,
wenn nicht immer beständig von außen Brennholz hineingeworfen wird. Deshalb
kann der Anfangs- und Endpunkt der Tauschoperation im Außenhandel auch nicht,
wie dies für das moderne Kapital der Fall ist, durch einen die Produktion und
Zirkulation übergreifenden und sich quantitativ vermehrenden Tauschwert
gebildet werden, welcher am Ende des Austauschaktes wieder zum Ausgangspunkt
zurückkehrt, um dann wieder den Prozeß neu, damit auch auf einer quantitativ
höheren Stufenleiter der Produktion, beginnen zu können. Somit basiert der
kapitalistische Außenhandel bei Ricardo gerade nicht auf einer
gesellschaftlichen Arbeit privater und gegeneinander konkurrierender
Produzenten, welche eine ökonomisch-qualitative Einheit der Arbeit
konstituiert. Diese in der Ricardoschen Außenhandelstheorie fehlende
gesellschaftlich-allgemeine Arbeit oder Totalität der Arbeit privater
Produzenten kann sich jedoch nach Marx ökonomisch-qualitativ nur erhalten,
wenn ihre ökonomische Quantität in der Produktion, welche deshalb als
tauschwertsetzende Produktion gilt, beständig vergrößert wird. Indem
Ricardo für Marx diese Bestimmung des entwickelten bzw. übergreifenden und
sich in der Produktion vermehrenden Tauschwertes nicht entwickelt, vielmehr
einen unentwickelten, einfachen bzw. sich nicht selbst erhaltenden Tauschwert
dem kapitalistischen Außenhandel unterstellt, kann er beständig behaupten,
daß der Zweck des Außenhandels in der über das Geld vermittelten Vermehrung
von überflüssigen Produkten besteht, die durch eine wechselseitig
aufeinander abgestimmte Spezialisierung der Produktion zwischen den Staaten
eintritt. Die unmittelbar stofflich-technische Produktion bleibt deswegen auch
bei Ricardo dem Austausch äußerlich. Sie gilt damit nicht als
tauschwertsetzende Produktion und kann insofern nur als ein naturalistischer,
vorgesellschaftlicher bzw. stofflich-technischer Arbeitsprozeß zur
Hervorbringung von mehr Produkten gefaßt werden. Bei Ricardo müssen deswegen
Produktion und Zirkulation wie in jedem vorkapitalistischen
Austauschzusammenhang ökonomisch-qualitativ und damit auch ökonomisch-quantitativ
auseinanderfallen. Reichtum im Außenhandel existiert damit nur in der
materiellen Gegenständlichkeit der durch die Staaten in die Zirkulation
geworfenen überflüssigen Produkte. Die so rein technisch bestimmte
kapitalistische Arbeitsteilung wird darum in der modernen Form der
Ricardoschen Außenhandelstheorie auch als reale Ökonomie bezeichnet. Gegenüber
dieser realen Ökonomie wird der Austausch als bloß vermittelnde und neutrale
Sphäre des materiellen bzw. konkreten Güterreichtums zwischen den Nationen
bestimmt. Diese wird deswegen als abstrakte, aber notwendige Geldsphäre
bezeichnet, welche sich als Schleier über die reale und alles bestimmende
Arbeitsteilung bzw. Produktion gelegt hat, um den Austausch der überflüssigen
Produkte zu erleichtern bzw. vermitteln. Die Bestimmung des Geldes endet
schließlich immer wieder damit, daß es als neutrales Tauschmittel (oder
„Schmiermittel“) der ‚Güter‘ bzw. der ‚realen Produktion‘ gilt.
Das Geld ist somit ein der realen Produktion äußerlich bleibendes Phänomen
der Distribution und wird hierdurch auf ein Mittel für einen höheren Zweck Auf dieser sehr verkürzt dargelegten Marxschen Kritik der Ricardoschen Außenhandelstheorie können nun die beiden allseits im Globalisierungsstreit verwendeten Kategorien des (a) Dienstleistungssektors und des (b) inter- bzw. intra-sektoralen Handels hinreichend kritisiert werden, da sie nämlich in ihrem ökonomisch-qualitativen Gehalt nicht über die Marxsche Bestimmung der ‚einfachen Zirkulation‘ hinausgehen. 4. Der Dienstleistungssektor im Globalisierungsstreit „Entfiel noch 1975 ein Viertel des Welthandels auf den Dienstleistungsverkehr (...) und Erwerbs- und Vermögenseinkommen (...), so ist dies heute bereits ein Drittel“. Und so „(...) läßt sich doch weltweit eine Verlagerung wirtschaftlicher Tätigkeiten vom sekundären zum tertiären Sektor feststellen“ (Altvater/Mahnkopf 1996, 232 u. 278). Die auch in der Globalisierungsdiskussion unhinterfragt angewendete Drei-Sektorentheorie unterteilt die kapitalistische Ökonomie in einen Zweig (a) des agrarischen bzw. primären Sektors (also Land-, Forstwirtschaft und Fischerei), (b) des industriellen bzw. sekundären Sektors (darunter fallen das produzierende, verarbeitende Gewerbe und der Bergbau) und (c) des dienstleistenden bzw. tertiären Sektors (dazu gehören Handel, Verkehr, Kommunikation, Banken, Versicherungen, staatliche Aufgaben) [12]. Diese Unterteilung bildet dann auch die Grundlage für die Erklärung der historisch arbeitsteiligen Entwicklung moderner Industriegesellschaften (vgl. Costas 1985; Claessens u.a. 1989; Polster/Voy 1991; Bell 1979). Dadurch wird der hier zur Diskussion gestellte Begriff des Dienstleistungssektors als eine aus der Natur der Arbeitsteilung selbst historisch entspringende Entwicklungsnotwendigkeit gefaßt, der sich scheinbar völlig unabhängig von der gegebenen sozio-ökonomischen Wirtschaftsordnung entwickelt. Insoweit werden hier nicht nur die Dienstleistungen prä-gesellschaftlich und transhistorisch definiert. Unterstellt wird schließlich, daß der Industriesektor, nachdem dieser den historischen Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft einleitete, historisch zunehmend durch den Dienstleistungssektor abgelöst und damit eine historisch neue stofflich-technische Vergesellschaftungsform etablieren wird [13]. Dem liegt wiederum die Auffassung zugrunde, dass die historisch anwachsende Spezialisierung in der unmittelbaren Produktion und die damit einhergehende Anhäufung technischer Fortschritte eine zunehmende stofflich-technische Ausdifferenzierung der konkreten Arbeitsformen und eine entsprechende Entwicklung und Quantität der drei Sektoren zueinander hervorruft: „Die Tertiarisierung“, in diesem rein stofflich-technischen Sinne behauptet z.B. der Ökonom K. G. Zinn prägnant, „kommt ohnehin - quasi gesetzmäßig.“ (Zinn 1999, 5) und dies „steht außer Zweifel“ (ders. 1997,1). Das hierbei unterstellte Klassifikations- und Erklärungsmuster ökonomischer Entwicklung folgt somit der allein aus dem Alltagsbewußtsein selbst hervorgehenden stofflich-technischen Bestimmung der Arbeitsteilung. Der Antriebsmotor der so gefaßten arbeitsteiligen Entwicklung und Dynamik der drei Sektoren liegt daher in der außergesellschaftlichen oder formunbestimmten bzw. stofflich-technologischen Logik der Arbeitsteilung selbst. Die Entwicklungsdynamik der kapitalistischen Arbeitsteilung oder des „Wirtschaftens“ entspringt also aus einem quasi unabänderlichen technologischen Evolutionsprozeß, nicht aber aus der besonderen gesellschaftlichen Form der Ökonomie, die eine besondere ökonomisch-gesellschaftliche Qualität darstellt und damit den Zweck, Richtung und die Struktur der verschiedenen stofflich-technischen Arbeiten bestimmt. Aus diesem Grund kann z.B. das angeblich ‚dienstleistende‘ Bankkapital nicht mehr als eine ökonomisch besondere und verselbständigte Funktionsgestalt innerhalb des die Produktion und Zirkulation übergreifenden Kapitals bestimmt werden, sondern es wird auf ein aus der stofflichen Arbeitsteilung selbst entspringendes Phänomen und deswegen auf einen überhistorisch gültigen Bestandteil des Stoffwechsels zwischen Mensch und Natur reduziert, welches den Austausch mit Produkten erleichtert und damit der wohlstandsvermehrenden Ausdehnung der Produktion „dient“. In dieser Hinsicht wird der kapitalistische Reproduktionsprozeß theoretisch allein durch seine stofflich verschiedenen und scheinbar voneinander selbständigen Gestaltformen des Arbeitens gefaßt (vereinfacht: industrielle Arbeit auf der einen, dienstleistende Handels- und Bankarbeit auf der anderen Seite). Geld- und auch Handels-„Dienstleistungen“ auf dem Weltmarkt müssen in diesem Sinne quasi als aus dem materiellen Arbeitszusammenhang selbst entspringende, aber vom industriellen Arbeitsprozeß unterschiedene und als eigenständige stofflich-technische (und - je nach dem eingenommenen Standpunkt auch - reichtumsvermehrende) Arbeitssphären angesehen werden. So stellt sich auch der unmittelbare Arbeitsprozeß der als ‚Dienstleistungen‘ bezeichneten Arbeiten immer als prä-gesellschaftliche und als eine nicht wertförmig bestimmte oder nicht wertsetzende bzw. werterhaltende Arbeitssphäre dar. Hier existiert daher auch keine übergreifende Einheit einer gesellschaftlichen Arbeit privater und gegeneinander konkurrierender Produzenten. Entsprechend kann der in der bürgerlichen Gesellschaft produzierte Reichtum letztendlich nur noch als konkret materielles oder immaterielles Produkt der ausgeübten Arbeit bestimmt werden, nicht aber als ein gesellschaftlich-abstrakter, prozessierender und deshalb die Produktion und Zirkulation übergreifender Wert, der in der Produktion gesetzt, vermehrt und in der Zirkulation ‚realisiert‘ wird, und sich so als ökonomisch übergreifendes Subjekt nur durch seine eigene Vermehrung erhalten kann, welches zugleich die Austauschsphäre und die unmittelbare Produktion zu subalternen Organen seiner selbst konstituiert und dadurch ihre Entwicklung, Struktur und Dynamik bestimmt. Aus dieser hier kritisierten stofflich-technischen Klassifikation und Bestimmung der Arbeitsteilung in der Drei-Sektorentheorie resultiert jedoch das von den meisten Autoren verschwiegene Problem der definitorischen Abgrenzung zwischen den verschiedenen Sektoren. Am Beispiel der Definition des von der industriellen Produktion unterschiedenen Dienstleistungssektors, der ja von einigen Autoren in der Globalisierungsdiskussion unter dem Stichwort „Entstofflichung“ des Welthandels eine entscheidende Rolle zugesprochen bekommt, um einen qualitativen Wandel in der Weltwirtschaft zu behaupten [14], wird deutlich, daß sich hierdurch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in unlösbare Definitions- und Abgrenzungsschwierigkeiten manövrieren müssen. Denn es kann kein objektives bzw. einheitliches Kriterium angegeben werden, warum bestimmte Arbeiten aufgrund ihrer stofflich-technischen bzw. nicht-materiellen Art als Dienstleistungen gelten sollen und andere nicht, welche deswegen noch dem industriellen Sektor zugeordnet werden müssen. Allerdings gilt der Dienstleistungssektor nur bei wenigen sozialwissenschaftlichen Autoren als „Unbegriff“, d.h., es ist eine „residuale Sammelkategorie“, welche auf „Negativ-Definitionen“ basiert und aus diesem Grund ein „sozialstatistisches Einordnungsproblem“ erzeugt [15] (Offe 1984, 294, 230). Schließlich wurde die Dienstleistungskategorie von Anfang an als ein „Sammelsurium konstruiert, in dem einfach alles zusammengefaßt wird, was nicht als Landwirtschaft oder Warenproduktion“ gilt (Polster/Voy 1991, 45). Aus
diesem nicht zu lösenden Bestimmungsdilemma entwachsen wiederum willkürliche
Präzisierungen bzw. Unterscheidungen, wenn z.B. der Dienstleistungssektor
dann noch in produktions- und konsumorientierte Dienstleistungen unterteilt
wird. Da die unterstellte Homogenität der Verausgabung der Arbeit
unverkennbar nicht aufzufinden und zu bestimmen ist, arbeiten auch die
statistischen Ämter [16],
die ihre Sektoren-Klassifikation zur Erhebung der ökonomischen Daten von der
Wirtschaftswissenschaft übernommen haben, auf einer theoretisch amorphen bzw.
willkürlichen Bestimmung dessen, welche Arbeit bzw. Produktion noch zum
Dienstleistungssektor oder zum sekundären Sektor gehört (vgl. Conert 1998,
357ff.). Da auch aus diesem Grund die statistischen Bestimmungs- bzw.
Erhebungskriterien für den sekundären und tertiären Sektor häufig
nationalstaatlich verschieden gefaßt werden, muß z.B. ein statistischer
Vergleich zwischen verschiedenen Staaten hinsichtlich des Anteils des
Dienstleistungssektors am ökonomischen Wachstum und am Außenhandel stets
irreführend und willkürlich ausfallen (vgl. Süddeutsche Zeitung 22.8.97;
Wagner 1998). Letztendlich „schneidet sich jeder Autor seinen eigenen
‚Dienstleistungsbereich‘ zurecht“ [17] (Häußermann/Siebel 1995, 151). Oder man
umschifft, wie es K. Hübner in seinem Buch „Der Globalisierungskomplex“
elegant vorführt, welcher „sich möglichst sparsamer Theoriebausteine be „Trotz der enormen statistischen Zuordnungsprobleme und trotz der Abhängigkeit einer größeren Zahl dienstleistender Prozesse von produktiven Tätigkeiten des sekundären Sektors ist für die Gruppe der entwickelten kapitalistischen Länder doch unübersehbar, daß der tertiäre Sektor sowohl mit Blick auf die sektorale Wertschöpfung als auch mit Blick auf die Beschäftigung heute von zentraler Bedeutung ist.“ (ders. 1998, 211) [19] In der bisherigen Globalisierungsdebatte scheint es indessen keinen Autor zu geben, der den Gebrauch der Dienstleistungskategorie aus ökonomisch-qualitativer Sicht problematisiert bzw. verwirft und auf die damit einhergehende Naturalisierung der kapitalistischen Form der Arbeitsteilung und des Reichtums aufmerksam macht, was ja wiederum die Ursache für die aufgezeigten statistischen Einordnungsprobleme darstellt (vgl. Glyn/Sutcliffe 1994, 141; Beck 1997; Narr/Schubert 1994; Hübner 1998). Am prägnantesten hat U. Menzel die Diskussion über die Globalisierung mit der These von der historisch einzigartigen Expansion des Dienstleistungssektors auf dem Weltmarkt in Verbindung gebracht. Er geht jenseits einer kritischen Betrachtungsweise der Dienstleistungskategorie davon aus, daß der Weltmarkt einen „qualitativen Strukturwandel“ durch die „Ablösung der stofflichen Ökonomie“ durch die wachsende „Tertiarisierung“ erlebt, welche auch „als die Virtualisierung der Ökonomie bezeichnet werden kann“ (Menzel 1995, 32 u. 34.) Dies wäre ein „säkulare(r) Trend, der irreversibel sein dürfte“ (ebd., 32). Vor allem die „Verselbständigung des Finanzsektors“ würde den Weltmarkt immer mehr in „ein selbstreferenzielles System ohne Kontakt zur stofflichen Wirtschaftswelt“ verwandeln: „Es läßt sich mithin der Nachweis führen, dass das Wachstum des tertiären Sektors insgesamt im wesentlichen hier seine Erklärung findet. Die höchsten Zuwachsraten überhaupt haben in den letzten 10-20 Jahren Immobilienmakler, Brokerhäuser sowie Holding- und Investmentgesellschaften zu verzeichnen. In der sich hier andeutenden Verselbständigung des Finanzsektors liegt eine weitere Ursache für den relativen Bedeutungsverlust der verarbeitenden Industrie, zumal hier die Tendenz zur Globalisierung der Aktivitäten, insbesondere wenn es sich um rein spekulative Finanztransaktionen handelt, besonders ausgeprägt ist.“ (ebd., 33) Zwar hat Menzel auch einige statistische Probleme entdeckt, die jedoch für ihn vielmehr dazu führen, daß sie die stattgefundene Dienstleistungsexpansion verdecken. Mit der so postulierten These vom qualitativen Wandel des Weltmarktes durch die Expansion des Dienstleistungsektors will er zugleich auch „eine neue werttheoretische Diskussion über das Verhältnis von produktiver und unproduktiver Arbeit, von Gebrauchswert und Tauschwert“ einleiten, da in der Dienstleistungsgesellschaft „nur mehr reine Tauschwertproduktion, losgelöst von ihrer nützlichen Seite, in den Vordergrund rückt.“ (ebd., 40) Für Menzel wird der Weltmarkt außerdem eine neue dualistische Arbeitsteilungsstruktur annehmen, wo nämlich die „alten Industrieländer des Nordens“ zu „postmodernen Dienstleistungsgesellschaften“ mutieren, während sich die „neuen Industrieländer(n) in Ost und Südostasien“ zum Sammelbecken der industriellen bzw. „stoffliche(n) Ökonomie“ verwandeln, „(von) hier werden (dann; C.G.) die Dienstleistungsgesellschaften des Nordens mit den Produkten des täglichen Bedarfs versorgt“ (ebd., 42). Hier wird dem Leser die stoffliche Sektorenunterscheidung zwischen Industrie- und Dienstleistungsbereich zugleich als eine die Weltwirtschaft zukünftig strukturierende und bestimmende Kraft präsentiert, ohne überhaupt die ökonomisch-qualitativen Defizite und Probleme der Drei-Sektorentheorie zu erwähnen. In abgewandelter bzw. stark relativierter Form werden diese Menzelschen Thesen von anderen Autoren im Globalisierungsstreit in Stellung gebracht. Eine Kritik an der Dienstleistungskategorie wird man auch hier vergeblich suchen, vielmehr werden einige ökonomisch-quantitative Einwände vorgebracht, welche darauf hinauslaufen, den Tertiarisierungsprozeß des Weltmarktes weiter zu differenzieren oder abzuschwächen. So wird z.B. bei dem Globalisierungstheoretiker J. Neyer unter dem Titel „Entstofflichung des internationalen Handels“ der Aufstieg des Dienstleistungssektors zur Wachstumsbranche des Weltmarktes besonders hervorgehoben, welcher neben dem ‚dienstleistenden‘ Finanzsektor immer mehr den materiellen Güterhandel verdrängen soll. Dabei kann Neyer nicht einmal im Ansatz klar definieren, was Dienstleistungen sind. Vielmehr wird ein willkürliches Konglomerat von Tätigkeiten vorgelegt, die als Dienstleistungen bezeichnet werden, da sie aus stofflich-technischer Sicht allem Anschein nach nicht mehr als industrielle Arbeiten bezeichnet werden können. Um dieses definitorische Desiderat nicht thematisieren zu müssen, werden die Dienstleistungen weiter und vermeintlich objektiv untergliedert, wie es eben in der derzeitigen sozialwissenschaftlichen Diskussion praktiziert wird. Dass auch diese Klassifikation recht beliebig, willkürlich und suggestiv ausfällt, zeigt sich schon daran, dass z.B. eine Dienstleistungsarbeit verschiedenen Dienstleistungsklassen zugeordnet werden kann. So gibt es die Klasse der „professionelle(n) Dienstleistungen“ „wie Bank- und Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Werbung, Forschung und Entwicklung“, die sich offensichtlich mit der Klasse der „exportorientierte(n) Dienstleistungen“ wie „(Finanz- und Versicherungswesen, Immobilien und professionelle Dienstleistungen)“ überschneidet. Demgegenüber wird die zusätzlich angeführte Klasse der „humankapitalintensive(n) Dienstleistungen“ erst gar nicht näher bestimmt. Ob unter den ‚humankapitalintensiven‘ Dienstleistungen auch die ‚professionalen Dienstleistungen‘ und die „nicht international handelbaren Dienstleistungen“ wie „Tankstellenservice, Friseurdienstleistungen oder auch der gesamte Bereich der öffentlichen Dienstleistungen wie lokale Verkehrsmittel oder die Benutzung von Schwimmbädern“ fallen, bleibt ebenso ungeklärt (Neyer 1995b, 292f; vgl. ders. 1995a). Desweiteren wird der Charakter der Dienstleistungen - gemäß den traditionell stofflich-technischen Bestimmungskriterien in der Sozialwissenschaft - daran festgemacht, dass diese bislang „kaum international gehandelt werden“ konnten, „da sie nicht lagerfähig waren und Produktion und Konsum zur gleichen Zeit erfolgen mußten“ (Neyer 1995a, 14). Aber aufgrund der technischen Fortentwicklungen in den letzten Jahren sind die meisten Dienstleistungen „nicht länger örtlich gebunden, sondern können an unterschiedlichen Orten produziert, gelagert, gehandelt und konsumiert werden.“ (Neyer 1995b, 293; ebenfalls: Burchardt 1996, 753; Beck 1997, 17) Wodurch, so stellt sich hier die von Neyer nicht aufgeworfene und beantwortete Frage, unterscheiden sich nun noch diese angeblichen Dienstleistungen, nachdem sich ihre sozialwissenschaftlichen Bestimmungskriterien aufgrund des technologischen Fortschritts quasi ins Nichts aufgelöst haben, von der industriellen Produktion? [20] Ebenfalls ist es z.B. unverständlich, warum bei Neyer der „Tankstellenservice" als nicht international handelbare Dienstleistung bezeichnet wird, obwohl Tankstellen nicht mehr als notwendige Verkaufsfilialien der international agierenden Ölkonzerne sind. Diese und andere Ungereimtheiten zeigen immer wieder, dass hier die von der gesellschaftlichen Formbestimmung befreiten stofflich-technischen Definitionskriterien des Dienstleistungssektors nur eine willkürliche und beliebige Addition und Klassifikation von Arbeiten hervorbringen können, welche den Zweck und den ökonomisch inneren Reproduktions- und Funktionszusammenhang der kapitalistischen Produktionsweise nicht nur nicht bestimmen und erklären können, sondern zu einem überhistorisch gültigen Stoffwechsel- und Arbeitsprozeß verkehren bzw. mystifizieren müssen. Dieselbe
kategoriale Beliebigkeit und ökonomische Mystifizierung wiederholt sich z.B.
beim marxistischen Kritiker der Globalisie „Dienstleistungen...
heute stärker als je zuvor über Landesgrenzen hinweg ge- und verkauft,
produziert und konsumiert (werden)". Des weiteren führt er die sozialwissenschaftlich beliebte These an, dass die Bundesrepublik laut vergleichender Statistik „überindustrialisiert“ wäre (Krätke 1997, 228; ebenso: Wirtschaftswoche 1993; Polster/Voy 1991; vgl. Altvater/Mahnkopf 1996, 281) und einen „Rückstand“ in der „Entwicklung des ‚tertiären Sektors‘ der Dienstleistungen gegenüber anderen fortgeschrittenen Industrieländern aufzuweisen hatte und noch hat." (ebd., 229) Dass diese wundersamen Vergleiche nicht nur auf einer mit der Marxschen Theorie unvereinbaren stofflich-technischen Bestimmung der Arbeitsteilung, d.h. der Drei-Sektorentheorie, sondern - wie oben schon hingewiesen wurde - auch aufgrund der verschiedenen Dienstleistungs-Erhebungskriterien der Nationalstaaten auf einem statistischen Artefakt beruhen, wird ebenfalls nicht gesehen und zur Kenntnis genommen. Auch
die Autoren Altvater/Mahnkopf stellen sich hinsichtlich der Bestimmung der
Dienstleistungen bewußt in die „Tradition der ökonomischen Theorie"
(Altvater/Mahnkopf 1996, 233; vgl. ebenfalls: Hoffmann 1999). Deswegen können
sie u.a. auch von einer „Tertiarisierung der weltwirtschaftlichen
Strukturen“ durch „telematische Dienstleistungen“ bzw. „datenbezogene
Dienstleistungen“ sprechen (ebd., 236f.). „Mit anderen Worten: Management,
Finanzierung, Versicherung, professionelle und technische Dienstleistungen,
mediale und Beratungsdienste aller Art sind die am stärksten wachsende
Komponente bei den internationalen Transaktionen im Dienstleistungsverkehr.“
(ebd., 235) Obwohl, wie kritisch hinzugefügt wird, diese „Tertiarisierung“
des Weltmarktes häufig verborgen bleibt, da „auch in industriellen Branchen
Dienstleistungsberufe ausgeübt werden“ (ebd., 281). Folglich sind die
„Grenzen zum produktiven Sektor (...) fließend“ (ebd., 233). Auch hier
gilt also die stofflich-technische Art des Arbeitens und das daraus
resultierende Produkt, nicht aber die besondere Formbestimmung der Produktion
als die entscheidende Grundlage, um die kapitalistische Weltökonomie in ihrer
Entwicklung näher bestimmen und darstellen zu können. Infolgedessen müssen
dann alle Tätigkeiten der unhinterfragten Kategorie des
Dienstleistungssektors zugeordnet werden, welche in dem banalen Sinne keine
Naturstoffe industriell verarbeiten, während zugleich der industrielle auch
noch zum „produktiven Sektor“ erhoben wird. Dementsprechend kann auch
nicht mehr die gesellschaftliche Formbestimmung und die verschiedenen
Funktionen der von den beiden Autoren als Dienstleistungen klassifizierten
Arbeiten innerhalb des Reproduktions- und Expansionsprozesses des Kapitals auf
dem Weltmarkt adäquat entwickelt und aufgezeigt werden. Diese ökonomische
Formblindheit führt außerdem dazu, dass sie, wie die anderen Autoren auch,
gezwungen sind, den Dienstleistungssektor nochmals hinsichtlich seiner
technischen Arbeitsqualität willkürlich zu klassifizieren, da selbst diese
nicht-industriellen Arbeiten so disparat ausfallen, dass es wohl unglaubwürdig
wäre, diese unter einem allumfassenden Begriff von Dienstleistungen
subsumieren zu wollen (ebenfalls bei: Hein 1995, 66; Burchardt 1995; Zinn
1997a, 11). So kann der „tertiäre Sektor“ sowohl „nicht-materielle
Dienstleistungen“ bzw. „Dienstleistung als immaterielle Produkte“ als
auch Für
eine Theorie, wie ansatzweise deutlich werden sollte, die auf einer ökonomisch-qualitativen
Formbestimmung der kapitalistischen Arbeitsteilung rekurriert, ist allerdings
nicht nur die Dienstleistungskategorie zur Bestimmung der Entwicklungsdynamik
des Weltmarktes, sondern folglich auch die amtliche Statistik über das Verhältnis
zwischen sekundären und tertiären Sektor unbrauchbar. 4.1. Wie sieht aber eine formbestimmte Definition von Dienstleistungen aus? Marx hat eine solche gegeben: Er geht davon aus, dass die kapitalistische Warenökonomie eine besondere ökonomische Formbestimmung als eine gesellschaftliche Arbeit privater und gegeneinander konkurrierender Produzenten besitzt, welche den Zweck der verschiedenen stofflich-technischen oder immateriellen Arbeiten klar bestimmt. Deshalb gibt Marx eine von der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie diamentral zu unterscheidene Dienstleistungsdefinition an. Daraus ergibt sich, dass der Dienstleistungssektor nicht nur nicht gewachsen, sondern vielmehr mit der historischen Expansion des Kapitals deutlich geschrumpft ist. Denn die Dienstleistungen stellen u.a. einen herrschaftlich geprägten Bestandteil vor allem der frühbürgerlichen Gesellschaft dar, aber sie selbst bilden bis heute keineswegs einen kapitalistischen Produktionssektor bzw. einen Bestandteil der kapitalistischen Produktion. Sie fallen vielmehr aus dem Kapitalverwertungsprozeß heraus. Aber nicht deshalb, weil sie angeblich immaterielle oder nicht-industrielle Arbeiten sind, sondern, weil sie nicht unter der unmittelbaren Herrschaft des Kapitals verrichtet werden. Dienstleistungsarbeiten werden nach Marx - ich sehe hier von den staatlichen, also den außerökonomisch herrschaftssichernden „Diensten“ ab - stets allein unter privater Herrschafts- und Verfügungsgewalt ausgeübt. Das für die Entlohnung der (vertraglich) beschäftigten Dienstleistungsarbeiter aufgewendete Geld fungiert daher auch nicht als Vorschuß für die Produktion von Waren, um es als Kapital zu vermehren, sondern als Mittel, um sich spezifische Arbeitsprodukte oder Arbeitsleistungen unmittelbar privat anzueignen. Mit kapitalistischer Warenproduktion hat die so ökonomisch formbestimmte Dienstleistungsarbeit also nichts zu tun. Vielmehr fällt diese unter der ökonomischen Form der „einfachen Zirkulation“ (Marx), wo die gegen Einkommen getauschte Arbeitsleistung nur formell bzw. verschwindend die Wertform bzw. Preisbestimmung annimmt. Folglich ergibt sich daraus die Erkenntnis, dass ein Teil des gegenwärtigen Wandels der kapitalistischen Ökonomie nicht mit der These von der Dienstleistungsexpansion erklärt werden kann. Der vermeintlich gern angeführte „Sektorenwandel“ in der Globalisierungsdiskussion gehört daher aus Marxscher Sicht selbst noch zur ideologischen Begleitmusik der sich beständig umwälzenden Warengesellschaft, welche sich nämlich für den „Beobachter“ als einfache Zirkulation darbietet. 4.2. Exkurs zur Marxschen Bestimmung von Dienstleistungen Will man nicht den oben aufgezeigten „empiristischen Trivalitäten“ (Luxemburg 1/2, 471) der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler erliegen, so bedarf es einer genauen ökonomischen Formbestimmung der Kategorie der Dienstleistungen in der bürgerlichen Gesellschaft, welche sich eben von einer transhistorischen und damit prä-ökonomischen Bestimmung grundlegend unterscheidet. Aus diesem Grund ging Marx auch davon aus, daß eine „Untersuchung“ über Dienstleistungen erst möglich wäre, „sobald die Grundfaktoren der capitalistischen Production selbst klargelegt sind“ (MEGAII 3.1, 120). Die dargelegten Schwierigkeiten der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft, d.h., eine klare und stimmige Definition von Dienstleistungsarbeit zu formulieren sowie diese empirisch einzulösen, entspringen u.a. daraus, dass alle Dienstleistungen einerseits (a) in der kapitalistischen Produktionsweise als Lohnarbeit verrichtet werden, andererseits (b) nehmen sie zugleich die Warenform an, weshalb die „differentia specifica“ zu den nicht-dienstleistenden Arbeiten im kapitalistischen Sektor verwischt und deshalb übersehen wird (R, 67f.). Somit verschwindet für den Betrachter die sozio-ökonomische Differenz zwischen der Bestimmung von Dienstleistungsarbeit und kapitalistischer Warenproduktion unter der ein und selben ökonomischen Lohn- und Warenform. Da also für die Ökonomen und Sozialwissenschaftler jede Arbeit unter der quasi zur Natur gewordenen Form der Lohnarbeit subsumiert ist, weshalb Lohnarbeit mit der Arbeit schlechthin gleichgesetzt wird, und das Resultat jeder Arbeit offenbar immer als Ware erscheint, wodurch die Warenform als unveränderliche Naturgestalt des Produzierens aufgefaßt werden muß, wird in den Wirtschaftswissenschaften - in der von A. Smith begründeten Tradition der Dienstleistungsdefinition (Smith 1993, 272ff.; vgl. Dobb 1977, 71) - versucht, die Dienstleistungen in Abgrenzung zur rein stofflich gefaßten industriellen Arbeit aus dem angeblich überhistorisch geltenden nicht-stofflichen bzw. immateriellen Inhalt bzw. aus der besonderen Art der Arbeitsverausgabung selbst zu bestimmen. Diese fehlerhafte und „fetischistische“ (R, 72) Bestimmung der Dienstleistungen beruht für Marx letztendlich darauf, dass die Ökonomen alle ökonomischen Formen der bürgerlichen Gesellschaft als Naturformen auffassen, weswegen sie die verschiedenen ökonomischen Arbeitskategorien nur noch als Unterschiede in der von ihnen vorgefundenen materiellen Verschiedenheit der Arbeit oder Arbeitsverausgabung zu begreifen vermögen. Aus diesem Grund wird die kapitalistische Form des Produktionsprozesses bei ihnen letztendlich auf einen für alle Gesellschaftsformen ewig gleichbleibenden technischen Arbeitsprozeß zwischen Mensch und Natur reduziert [21], d.h., dass „ökonomische Formbestimmtheiten (...) als den stofflichen Trägern dieser Formbestimmtheiten oder Kategorien an und für sich zukommenden Eigenschaften betrachtet“ (R, 72) werden. Die hiervon zu unterscheidende Marxsche Formbestimmung der Dienstleistungsarbeit hat außerdem nur sekundär mit der Frage zu tun, ob Dienstleistungsarbeit produktiv oder unproduktiv ist. Vielmehr erlaubt erst die Bestimmung der Dienstleistungsarbeit als spezifisch formbestimmte Arbeit innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft diese Frage adäquat zu beantworten. Für
Marx ist Dienstleistungsarbeit „kein Reichtum produzierender, sondern
umgekehrt ein Reichtum konsumierender Akt“ (G, 379), d.h., dieser ist
„kein Akt der Wertschöpfung, sondern der Entwertung vorhandner“. Für den
Käufer sind Dienstleistungen „kein Mittel der Bereicherung“, sondern „Ausgabe(n)
für“ seine Der Inhalt der Arbeit ist somit - entgegen der oben dargelegten wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Bestimmung der Dienstleistungsarbeit - völlig gleichgültig für eine Formbestimmung der Dienstleistungen (TüMI, 379, 380). Ebenso unwichtig ist es, ob die geleistete Arbeit sich materiell verkörpert, oder ob sie „kein handgreifliches, von der Person selbst verschiednes Resultat zurück“ läßt (TüMI, 380; MEGAII 3.1, 120; ebd. 3.6, 2176). Der Inhalt oder die konkrete Form der verausgabten Arbeit ändert demzufolge nichts „an ihrer ökonomischen Bestimmtheit“ als Dienstleistung (TüMI, 380).
Neben den angeführten „persönlichen Dienstleistungen“ (Marx) gibt es auch die staatlichen Dienste, wo sich die Arbeit gegen die „Revenu des Staats, nicht Kapital“ tauscht (G, 380). Sie unterscheiden sich in ihrer ökonomischen Formbestimmung nicht von der eben dargelegten Bestimmung von Dienstleistungsarbeit. Jedoch sind staatliche Dienste den Bürgern aufgenötigte und damit herrschaftssichernde Arbeiten, d.h. „unfreiwillige Dienste“, welche aus den Steuern finanziert werden (TüMI, 380). Soldaten, Politiker, Staatsbeamte etc. „dringen auf ihre Dienste, die als solche Dienste einen Gebrauchswert und infolge ihrer Produktionskosten auch einen Tauschwert haben.“ (TüMI, 139) Ihre Arbeit resultiert vor allem aus dem Konflikt der Privatinteressen und der Nationalinteressen, d.h., sie gehören damit zu den „faux frais de production“ (ebd., 145; R, 68). Sie unterliegen in der Entwicklung der Vermehrung des kapitalistischen Reichtums einem Prozeß der „Entheiligung“, welche „bisher mit einem Heiligenschein umgeben waren“ (TüMI, 145). Auch die nicht-staatlichen Dienstleistungen wurden für Marx mit dem Aufkommen und mit der Durchsetzung des Kapitals „mehr oder minder entehrt“, d.h., sie wurden einem Prozeß der „Entgötterung der persönlichen Dienstleistungen“ unterworfen: „welchen erhabnen Charakter Tradition etc. ihnen immer angedichtet haben mag.“ (G, 381) Zugleich gilt, daß der Anteil der nicht-staatlichen Dienstleistungsarbeiter aufgrund der „Loslösung der bürgerlichen Gesellschaft von der feudalen (vermindert)“ wird (MEGAII 3.1, 276). Aber auf einer hohen Stufe des bürgerlichen Reichtums bzw. der bürgerlichen Gesellschaft kann der Anteil der dienstleistenden Arbeiter aufgrund des inzwischen angehäuften „Luxus, Reichtum(s) und Schaustellung des Reichtums“ wieder zunehmen (ebd.). 4.3. Marxistische Dienstleistungs-Bestimmungsversuche Die
hier gegebene Marxsche Bestimmung von Dienstleistungen ist allerdings in der
marxistischen Diskussion selten ernst genommen worden. Letzteres liegt vor
allem daran, daß sich die marxistischen Ökonomen nie vollständig von einer
stofflich-naturalistischen Betrachtungsweise der kapitalistischen Ökonomie,
wie sie in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften vorgegeben wird,
theoretisch vollständig emanzipieren konnten. Begleitet wurde dieser Mangel
insbesondere durch die völlige Ausklammerung der ökonomischen Qualität und
die dafür um so stärker betonte ökonomische Quantität. So geht z.B. E.
Mandel in seinem Hauptwerk „Spätkapitalismus“ ganz selbstverständlich
von der Drei-Sektorentheorie aus, wenn er die kapitalistische Ökonomie in
einen Agrar-, Industrie- und Dienstleistungssektor unterteilt. Mandel glaubt,
Marx habe zwar einen Dienstleistungsbegriff entwickelt, dieser beziehe sich
jedoch nur auf eine „private Beziehung zwischen dem Verkäufer spezifisch
qualifizierter Arbeitskraft und dem Ausgeber privater Revenuen“, während
sich doch heute Dienstleistungen zu einem besonderen Geschäftszweig
entwickelt hätten, welche mit der Marxschen Bestimmung nicht mehr zu erfassen
wären (Mandel 1973, 351 u. 364f.). Dienstleistungen würden heute im
Gegensatz zur Zeit von Marx kapitalistisch betrieben und hätten sich aufgrund
der Akkumulationsschwäche des industriellen Kapitals und der zivilisierenden
Seite des Kapitals für die Reproduktion der Arbeiterklasse gewaltig
ausgedehnt, indem diese u.a. auch als Werbung und Marktforschung betrieben würden.
Alle Dienstleistungen, welche kapitalistisch betrieben werden, sind für
Mandel jedoch im Gegensatz zum industriellen Sektor unproduktiv, d.h., sie
vergrößern nicht, sondern verringern den produzierten Mehrwert aus dem
industriellen Sektor. Der Fehler dieser Argumentation liegt bei Mandel darin,
daß er die sozialwissenschaftliche Bestimmung von Dienstleistungen, d.h.,
diese werden ja stets als immaterielle Arbeiten bzw. Produkte gefaßt,
aufgreift und diese auch zur zentralen Bestimmung für eine Marxsche
Argumentation macht, ohne dabei zu merken, daß er damit zugleich die ökonomisch-qualitative
Dienstleistungs-Bestimmung von Marx über Bord schmeißt. Diesen gleichen
Fehler begeht auch R. Johannes in seiner Kritik der Mandelschen Bestimmung von
Dienstleistungen als unproduktive Arbeiten, wenn er argumentiert: „Der
Dienstleistungssektor ist jedoch zugleich nicht-identisch mit den anderen Sphären
der Produktion: kapitalistische Dienstleistungsunternehmen betreiben
nicht-dingliche Warenproduktion im Gegensatz zu dinglicher Warenproduktion in
den traditionellen Industriezweigen.“ (Johannes 1989, 63f.) Auch hier dient
die stoffliche oder nicht-stoffliche Natur und nicht die sozial-ökonomische
Bestimmung der Arbeit dazu, um „besteht vor allem darin, daß die Dienstleistungssektoren im Unterschied zur industriellen Warenproduktion keine substantielle und monetär darstellbare Eigenständigkeit besitzen, also auch keine primäre Quelle von Kapitalakkumulation sein können. Die physische Natur dieser Tätigkeit läßt sie nicht in demselben Maße als „abstrakte Arbeit“ in das Warensystem integrierbar erscheinen wie die industrielle Produktion.“ (Kurz 1993, 86) [27] Die Marxsche Werttheorie bzw. die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie erhält dadurch einen ihr fremden physiologischen bzw. naturalistischen Unterbau, den diese gerade überwinden wollte. Einem anderen Mißverständnis sitzen auch nicht-marxistische Sozialwissenschaftler wie Häußermann und Siebel auf, wenn sie in ihrem Überblick der verschiedenen ökonomischen Dienstleistungsbestimmungen die Marxsche Bestimmung von Dienstleistungen mit der Frage verwechseln, welche Arbeit im kapitalistischen Produktions- und Zirkulationsprozess produktiv oder unproduktiv ist (ebenso bei Menzel 1995, 40). Die Marxsche Bestimmung von Dienstleistungen nehmen sie daher erst gar nicht zur Kenntnis, sondern unterstellen vielmehr die wirtschaftswissenschaftliche Definition von Dienstleistungen, daß diese immateriell sein müssen, um anschließend zu klären, ob diese für Marx einen produktiven oder unproduktiven Charakter haben. Der zu dieser Frage gehörende und von der Wirtschaftswissenschaft völlig abweichende Marxsche Reichtums- und Kapitalbegriff wird freilich genausowenig wie die Marxsche Dienstleistungsbestimmung von den Autoren angeführt und erklärt (Häußermann/Siebel 1995, 138). Dieser kurze Überblick über die Diskussion eines marxistischen Dienstleistungsbegriffs soll hier abgebrochen werden. Denn es sollte nur aufgezeigt werden, daß viele marxistische Autoren - also auch schon vor der „Globalisierungsdebatte“ - die Dienstleistungen über ihren angeblich feststehenden physischen, prä-gesellschaftlichen Charakter bestimmt haben, damit auch hinter dem von Marx erreichten Erkenntnis- und Argumentationsstand zurückgefallen sind. 4.4. Die Umwälzungsdynamik des Weltmarktes jenseits der Drei-Sektorentheorie Was folgt aber aus der Marxschen bzw. formbestimmten Dienstleistungsbestimmung für die Analyse des kapitalistischen Weltmarktes? Alle daraus entspringenden Aspekte können an dieser Stelle nicht dargelegt werden. Vielmehr soll kurz belegt werden, welche verschiedene ökonomische Formen und Funktionen von Arbeiten in der bürgerlichen Gesellschaft existieren, die ansonsten in den Wirtschaftswissenschaften unabhängig von ihrer so gegebenen sozial-ökonomischen Bestimmung entweder dem industriellen oder dienstleistenden Sektor, d.h. wegen ihres materiellen oder immateriellen Charakters, willkürlich zugeordnet werden. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie unterscheidet folgende Arbeitsformen [28], welche in der bürgerlichen Gesellschaft lohnförmig organisiert sind: 1) Dienstleistungsarbeiten, die, wie oben definiert wurde, nur außerhalb des kapitalistischen Produktionsprozesses als Lohnarbeit ausgeübt werden, dessen Resultate unmittelbar privat bzw. herrschaftlich angeeignet werden. Dienstleistungsarbeiten fallen daher aus der unmittelbaren Analyse des kapitalistischen Weltmarktes heraus; 2) Herrschafts- und reproduktionssichernde Staatsarbeiten, darunter fällt die Arbeit der Polizei, Justiz, Militär, Verwaltungsbürokratie und die ausgeübten Arbeiten im öffentlichen Bildungssystem, sozialen Sicherungssystem, infrastrukturellen Bereich etc.. Angetrieben und strukturiert werden diese Arbeiten durch den meist über politische Parteien und Interessenverbänden ausgetragenen Klassenkampf und durch die damit nicht abzulösende Reproduktionssicherung des Kapitals als gesamtgesellschaftlich zu reproduzierendes Herrschafts- und Expansionsverhältnis in und zwischen den Nationalstaaten; 3)
produktive
Arbeiten in der Warenproduktion: dies umfaßt alle Arbeiten, ob materiell oder
immateriell oder industriell oder nicht-industriell, die unter der Kapitalform
ausgeübt werden, um das für die Produktion von Waren vorgeschossene Geld
selbstzweckhaft zu vermehren. Es stellt den dynamischen Antriebsmotor der 4) unproduktive, d.h. nicht wertsetzende, sondern wertkostende Arbeiten, diese sind unmittelbar unter der Herrschaft des Kapitals organisierte Arbeiten, die: a) den ökonomischen Form- bzw. Eigentumswechsel sicherstellen bzw. beschleunigen; b) die ökonomische Form und damit den abstrakten Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft absichern und erhalten; c) die herrschaftsausübenden Kommandoaufgaben im kapitalistischen Produktionsprozess übernehmen. Hierunter fallen z.B. die Funktionsbereiche Banken, Versicherungen, der Verkaufsakt samt den dazugehörigen Rechenoperationen beim Handelskapital, Sicherheitsüberwachung, die verschiedenen herrschaftsausübenden Leitungs- bzw. Managementarbeiten für das Kapital etc. Was
für Konsequenzen sind aus dieser ökonomisch-qualitativen Bestimmung der
Arbeiten für die sogenannte Tertiarisierung des Weltmarktes in der
Globalisierungsdiskussion zu ziehen? Aus dieser kurzen Übersicht wird vor
allem deutlich, daß die im Globalisierungsstreit genannte Tertiarisierung
unter formbestimmten Kriterien ökonomisch höchst verschiedenartige und
entgegengesetzte Funktionen des die Produktion und Austausch übergreifenden
Kapitals in einem Sektor zusammenfaßt und thematisiert, weil diese unter rein
stofflichen Gesichtspunkten nicht mehr unter die „industrielle“ Produktion
subsumiert werden können. Infolgedessen erweist sich aus Marxscher Sicht die
Tertiarisieringsthese samt den damit aufgeworfenen und unlösbaren (Schein-)Problemen
als eine wirtschaftswissenschaftliche Schimäre, welche allein daraus
entspringt, den kapitalistischen Außenhandel und die kapitalistische
Produktion sowie deren Entwicklung und Ausdifferenzierung in verschiedene
Arbeitszweige prä-gesellschaftlich zu bestimmen. Ein Scheinproblem ist dann
beispielsweise die Frage von Altvater/Mahnkopf, ob und inwieweit die Expansion
des Dienstleistungssektors von der industriellen Produktion abhängig ist oder
nicht. Die damit zusammenhängenden Streitfragen, wie die unterstellte
Tertiarisierung zu fassen und zu klassifizieren sei und welche Konsequenzen für
die zukünftige Entwicklung daraus zu ziehen sind, verdecken nicht nur die
Ausblendung der ökonomischen Formbestimmtheit dieser Arbeiten, sondern auch
gerade die sich darin ausdrückende Reorganisation der kapitalistischen
Produktionsverhältnisse seit Mitte der 70er Jahre zwecks ökonomischer
Wachstumsvergrößerung und -sicherung unter historisch neuen
Akkumulationsbedingungen, indem Einzelkapitale neue Verwertungsstrategien
sowohl durch Reorganisation und „Modernisierung“ des Produktions- und
Planungsapparates als auch durch verstärkte Zentralisation/Konzentration
durchsetzen, während die Staaten u.a. diesen Restrukturierungsprozeß des
Kapitals sowohl durch Liberalisierung (Deregulierung) des Handels mit Waren
und Geldkapital als auch durch Privatisierung öffentlicher Unternehmen und
Vermögen abstützen und vorantreiben (Telekommunikation, Transportleistungen,
Strommarkt etc.). Dieser politik-ökonomische Restrukturierungsprozeß ist
jedoch an sich nichts besonderes, denn die kapitalistische Dynamik hat seit
ihrer historischen Konstitution durch das Eingehen des Handelskapitals in die
ihr stets vorausgesetzte Arbeitsteilung der vorkapitalistischen Gemeinwesen
beständig die Produktions- und die Lebensverhältnisse umgewälzt, um sich
als grenzenlose, expansive und selbstzweckhafte Wertvermehrungsmaschinerie am
Leben zu erhalten. Nicht die Internationalität des kapitalistischen
Produktionsverhältnisses ist neu (wie dies manchmal einige
Globalisierungs-Autoren suggerieren), sondern die sich jeweils historisch über
Etappen der Kapitalexpansion vermittelte und sich deshalb notwendig verändernde
Gestalt des Weltmarktes. Soweit ist die in der „Dienstleistungs“-Diskussion
unterstellte ökonomisch-quantitative Veränderung in der prä-gesellschaftlich
bestimmten Sektorenzusammensetzung nur ein oberflächlicher und
verschleiernder Ausdruck für die aktuell stattfindende ökonomische
Neustrukturierung des Kapitals in und zwischen den Staaten. Politisches Ziel
dieser also keineswegs neuartigen politik-ökonomischen, aber auch politisch
umkämpften Verwertungs-Operationen und -Strategien von Staat und Kapital ist
es angesichts der historisch schwieriger gewordenen Reichtumsvergrößerung,
die kapitalistischen Gesellschaften wieder auf den Weg eines ökonomisch
anhaltenden, profitablen und herrschaftsabsichernden Wachstums zu bringen,
indem unter Ausnutzung neuer Transport-, Produktions-, Distributions- und
Kommunikationstechnologien neue Kapitalstrategien unterstützt, die · Eröffnung bzw. Schaffung neuer Produktionszweige (z.B. auch durch die Umwandlung staatlicher Arbeiten in neue Geschäftssphären, was in früheren Tagen des Kapitals aufgrund der immensen Höhe des dafür vorzuschießenden Geldkapitals nicht möglich gewesen wäre); · neue Zentralisations-/Konzentrations-, Reorganisations-, Planungs- und Expansionsstrategien der Kapitale in den und zwischen den verschiedenen Produktionszweigen; ·
gewinnsteigernde, aber für die gesellschaftliche
Kapitalreproduk · herrschaftsausübende und daher unproduktive Kapitalleitungs- und Steuerungsarbeiten (wie Management, Unternehmensberatung etc.) werden selbst zu einer international produzierten und gehandelten Ware, diese Arbeiten werden dadurch nicht nur rationalisiert, sondern auch weltweit vereinheitlicht. Durch die Dienstleistungs-Expansionsthese im Globalisierungsstreit wird insofern nicht nur die Banalität der kapitalistischen Expansionsdynamik falsch gefaßt, sondern es kommt zur Verwechslung und Identifizierung der gesellschaftlichen Form des Produktions- und Zirkulationsprozesses mit dem Arbeitsprozeß als überhistorischer Prozeß zwischen Mensch und Natur. Damit verbleibt man in der von Marx kritisierten ökonomischen Denktradition, die die kapitalistische Produktionsweise auf eine einfache Zirkulation reduziert, d.h. in den Worten des Marxschen Rohentwurfs des ‚Kapitals‘, daß die Autoren des Globalisierungsstreites den unentwickelten und verschwindenden gegen den entfalteten und sich in der Produktion vermehrenden Tauschwert ausspielen. Folglich wird dadurch sowohl der innere politik-ökonomische Zusammenhang und die Möglichkeit der Verselbständigung von einzelnen Arbeitsfunktionen innerhalb des die Produktion und Zirkulation übergreifenden Kapitalprozesses als auch der dynamische Antriebsmotor bzw. das kapitalistische Triebwerk mit samt seinen inhärenten Widersprüchen sowie Grenzen nicht aufgedeckt und erklärt, sondern dank der vorgenommenen Naturalisierung des kapitalistischen Produktionsverhältnisses verschleiert, verdeckt, verzaubert und mystifiziert, weshalb der durch die Autoren zu erklärende Gegenstand völlig verfehlt wird. Man bewegt sich deswegen nur noch in der durch das Kapitalverhältnis selbst hervorgebrachten „Religion des Alltagslebens“ (Marx) und hält dies schon für die Erklärung der Sache selbst. Demgegenüber wäre das Ziel einer kritischen Analyse der aktuellen Weltmarktdynamik, diese auf der kategorialen Grundlage einer Theorie der formbestimmten Arbeitsteilung zu fassen und zu erklären, welche jegliche stoffliche Bestimmung und Verkürzung des kapitalistischen Produktionsprozesses überwunden hat. Diese am Beispiel des Dienstleistungsbegriffs aufgezeigte Naturalisierung des kapitalistischen Produktionsprozesses setzt sich im Globalisierungsstreit zwischen den gesellschaftskritischen Autoren außerdem in der inflationären und affirmativen Verwendung der Ricardoschen Außenhandelskategorien bruchlos fort. Die Ausblendung der Formbestimmtheit der internationalen kapitalistischen Arbeitsteilung ist auch hier, wie zum Abschluß noch kurz gezeigt werden soll, der gemeinsame und verschwiegene Nenner der sich feindlich gegenüberstehenden Anhänger und Kritiker der Globalisierungsthese. 5. Die Ricardosche Außenhandelstheorie als eine Grundlage des Globalisierungsstreites „Arbeitsteilung ist die Quelle der Produktivität, deren Steigerung mehr reales Einkommen (...) ermöglicht. Internationaler Handel ist die Fortsetzung der Arbeitsteilung über nationale Grenzen hinaus. Wer das Ziel materieller Wohlstandsvermehrung in Form von Einkommen und Freiräumen bejaht, muß Handel grundsätzlich für sinnvoll halten.“ (SEF 1995, 224) „Ein
deutscher Professor liebt als pünktlicher Beamter in seinem Ressort die
Ordnung. Der Ordnung zuliebe pflegt er auch die Welt hübsch sauber in die
Schubfächer eines wissenschaftlichen Schemas einzuschachteln. Und genau wie
er seine Bücher auf den Regalen aufstellt, so hat er auch die verschiedenen Länder
auf zwei Regale verteilt: hier Länder, die Industrieprodukte herstellen und
davon In
der modernen Außenhandelstheorie ist es im Rahmen der fortgeführten
Ricardoschen Außenhandelstheorie zur unhinterfragten Grundlage geworden, den
Austausch zwischen den Staaten anhand der getauschten stofflich-technischen Güterart
zu klassifizieren, um so den Zweck und die Richtung des Außenhandels zu
bestimmen und zu erklären. Die Vorstellung, daß der Außenhandel nur dann 1) Die erste Austauschart wird dadurch charakterisiert, daß die überflüssigen Agrarprodukte eines Landes, welches sich, wie unterstellt wird, auf die Produktion von Agrarprodukten spezialisiert hat, gegen die überflüssigen Industrieprodukte eines industrialisierten Landes getauscht werden. Diese Form des Austausches wird als klassischer oder inter-sektoraler Handel bezeichnet. 2) Die zweite Austauschform wird dadurch bestimmt, daß zwischen zwei Industriestaaten verschiedene industrielle Güterarten ausgetauscht werden, da sich angeblich jedes Land nur auf die Produktion bestimmter industrieller Güter spezialisiert hat, welche es mit vergleichsweiser höchster Produktivität für sich herstellen kann. Dieser Austausch wird deshalb als inter-industrieller Handel bezeichnet. Aber neben diesen durch die Ricardosche Außenhandelstheorie abgedeckten Austauschformen gibt es noch eine weitere Art des Handels, welche theoretisch eigentlich nicht existieren dürfte. Denn hier werden zwischen zwei Industriestaaten angeblich technisch gleichwertige oder homogene Güter ausgetauscht, womit gegen den ehernen Grundsatz der Außenhandelstheorie verstoßen wird, wonach der Außenhandel nur auf der wechselseitigen und daher vorteilhaften arbeitsteiligen Spezialisierung der Produktion zwischen verschiedenen Staaten basieren kann; ansonsten wäre ja der Außenhandel sinnlos, da er so nicht den materiellen Wohlstand vermehren könnte. Diese dritte Austauschform entspringt insofern allein aus der Empirie, d.h. vielmehr, sie wurde den Außenhandelstheoretikern durch die rein stofflich wahrgenommene Wirklichkeit des Außenhandels unfreiwillig aufgenötigt. So wird diese besondere Austauschart entweder als intra-industrieller Handel oder auch als Verdrängungshandel bezeichnet. Die so den Außenhandelstheoretikern aufgezwungene Verlegenheitsbezeichnung ‚Verdrängungshandel‘ verdeutlicht nochmals, daß der Außenhandel in der Ricardoschen Theorie stets nur als ein harmonischer, gleichgewichtiger, stofflich wechselseitig ergänzender und deswegen wohlstandsvermehrender Arbeitszusammenhang zwischen den Staaten gefaßt werden kann. Aber gerade diese unterstellte Harmonie und Zwecksetzung des Außenhandels wirft nun die empirisch festgestellte Existenz eines intra-industriellen Handels völlig über den Haufen. Allerdings hat dies bislang nicht in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften dazu geführt, die Reduzierung des Außenhandels auf einen technisch-stofflichen Spezialisierungs- und Austauschzusammenhang grundsätzlich in Frage zu stellen. Wie dominant diese stofflich-technische Sichtweise bzw. die Ricardosche Bestimmung des Außenhandels gegenüber einer formbestimmten Theorie der internationalen Arbeitsteilung in den Sozialwissenschaften ist, zeigt sich vor allem auch daran, daß die meisten gesellschaftskritischen Autoren in der Globalisierungsdiskussion die genannte kategoriale Unterteilung des Außenhandels nicht kritisieren, verwerfen und überwinden, sondern vielmehr als selbstverständlich vorgefundenes kategoriales Grundgerüst für eine Weltmarktanalyse aufgreifen und theoretisch unhinterfragt reproduzieren, damit den kapitalistischen Weltmarkt und seine Funktionsweise nicht nur unbemerkt nicht erklären, sondern vielmehr verkehren und damit mystifizieren. Das kategoriale Grundgerüst der Ricardoschen Außenhandelstheorie wird also sowohl von den Anhängern als auch von den Kritikern der Globalisierungsthese nicht als eine sachfremde Begriffsbildung zur Bestimmung des kapitalistischen Weltmarktes zurückgewiesen, sondern kritiklos aufgegriffen und sowohl zur Beschreibung als auch zur Analyse des Außenhandels angewendet. Sie übernehmen hierdurch auch die falsche und deswegen von Marx kritisierte ökonomisch-qualitative Bestimmung des Außenhandels als „einfache Zirkulation“ durch Ricardo. Damit wiederholen die Autoren den oben am Beispiel des Dienstleistungsbegriffs schon aufgezeigten Fehler, den kapitalistischen Produktionsprozess naturalistisch und damit ökonomistisch zu fassen, da sie keine ökonomisch-qualitative Bestimmung des Kapitals als eine gesellschaftliche Arbeit privater und gegeneinander konkurrierender Produzenten entwickelt haben. Nicht nur der oben zitierte Dienstleistungstheoretiker M. Krätke verwendet den Begriff des intra-industriellen Handels (Krätke 1997, 226f., ebenso: Burchardt 1995 u. 1996; Welzmüller 1997), sondern auch R. Kappel, welcher darum bemüht ist, die Stellung der Entwicklungsländer angesichts der Globalisierungsdiskussion näher zu bestimmen. Er benutzt ebenfalls ganz selbstverständlich die Kategorie des inter-industriellen Handels (Kappel 1995, 109). Aber auch die sich mit der Globalisierungsthese beschäftigende ‚Initiativgruppe Regulationstheorie‘ aus Frankfurt, welche sich explizit auf die Marxsche Werttheorie bezieht, unterscheidet nicht nur irreführend zwischen handelbaren Waren und Dienstleistungen, sondern wendet ebenfalls die Kategorie des intra-industriellen Handels an, um die Entwicklung des Außenhandels zwischen den Industriestaaten zu charakterisieren (Initiativgruppe Regulationstheorie 1997, 8ff.). Ebenfalls rekurriert G. Jenner in seiner theoretischen Bestimmung der Globalisierung auf die Ricardosche Klassifikation des Außenhandels, wobei dem intra-industriellen Handel bzw. Verdrängungshandel die Rolle zufällt, alle negativen sozialen Erscheinungen zu verursachen, weshalb dieser politisch zurückgeschraubt werden müßte (Jenner 1997). K. Hübner, welcher sich selbst zwischen den Anhängern und Kritikern der Globalisierungsthese verortet, meint wiederum anhand der statistischen Analyse des Außenhandels, welche ausweist, daß der heutige Anteil des intra-industriellen Handels quantitativ weit über den angeblich früher dominierenden inter-industriellen Handel zwischen den Industriestaaten liegt, davon sprechen zu können, daß deshalb nachweislich zwischen den Industriestaaten eine intensivere Konkurrenz als früher vorherrscht. Er übernimmt und reproduziert damit kritik- und gedankenlos die orthodoxen ökonomisch-quantitativen Axiome der wirtschaftswissenschaftlichen Außenhandelstheorie, wenn es z.B. bei ihm heißt: „Da ist zum ersten zu konstatieren, daß der Intra-Branchenhandel, also der internationale Handel mit Waren gleichen Typs, seit Mitte der 70er Jahre stark zugenommen hat. Sieht man einmal von dem Spezialfall Japan ab, (...) so weisen die anderen OECD-Ökonomien Anteile von zwei Dritteln und mehr an brancheninternem Außenhandel auf ... Dies verweist auf eine ausgeprägte und vor allem eine weit über die Grenzen der Nationalstaaten hinausgehende Konkurrenz der Unternehmen. Das hohe Maß an Intra-Branchenhandel intensiviert aber nicht nur die Konkurrenzbedingungen...“ (Hübner 1996, 44f.; vgl. die selbstverständliche Verwendung der Ricardoschen Außenhandelskategorien bei Hübner 1993, 36; ebenfalls in: ders. 1998). Diese
ricardianisch-kategoriale Argumentation findet sich zur Belegung der
entdeckten sozial destruktiven Wirkung der Globalisierung auch bei
Altvater/Mahnkopf wieder. Folglich greifen sie die außenhandelstheoretische
Vorstellung von einer wechselseitigen Spezialisierung der Produktion zwischen
den Ländern, d.h. inter-industrieller Handel, unkritisiert auf, um daran nur
noch zu vermerken, daß diese Spezialisierung nicht zwischen verschiedenen
Produktionszweigen, sondern innerhalb der Produktionssphären verschiedener Länder
stattgefunden habe, weshalb sie ebenfalls von einer „zunehmenden Bedeutung
des Intra-Industrie-Handels“ auf dem Weltmarkt sprechen (Altvater/Mahnkopf
1996, 247, aber auch: 417). Deshalb soll nun auch eine verschärfte Konkurrenz
zwischen den „Unternehmen“ aus den verschiedenen Industriestaaten
bestehen, welche ein zentrales Kennzeichen der sozial ruinösen Globalisierung
sein soll „Der größte Teil des Welthandels ist heute brancheninterner Handel; dabei werden Güter der gleichen Produktgruppe sowohl exportiert als auch importiert. Dieser Handel folgt also nicht den Prinzipien der Spezialisierung von Wirtschaftszweigen, es geht hier um die Spezialisierung innerhalb bestehender Industriezweige. Letzteres ist aber nur möglich, wenn eine nationale Ökonomie bereits ein bestimmtes Niveau der Industrialisierung, also der Differenzierung von Produktionsprozessen und Produkten erreicht hat. (...) Was sind die Motoren des brancheninternen Handels? Seine Zunahme verweist zunächst auf eine verschärfte Konkurrenz zwischen Unternehmen..., die mit Waren des gleichen Typs handeln und nicht selten auch gleiche Marktsegmente bedienen.“ (Altvater/Mahnkopf 1996, 247f.; Herv. von mir; vgl. ebenfalls die Verwendung der Kategorie des intra-industriellen Handels durch die Prokla-Redaktion: Prokla 1993, 5) An anderer Stelle verdeutlichen die Autoren ihre leicht modifizierte ricardianische Grundauffassung, wonach die von Ricardo genannte Zwecksetzung des Außenhandels nur mit Hilfe staatlicher Interventionen tatsächlich realisiert werden könnte, ohne auch nur einen ökonomisch-qualitativen Kritikpunkt an den modernisierten Ricardo-Außenhandelstheorien vorgebracht zu haben, wenn es bei ihnen heißt [29]: „Solange weder Kapital noch Arbeit über die Landesgrenzen hinweg migrieren, ist das Ricardo‘sche Theorem auch in der Fortentwicklung durch Heckscher, Ohlin, Samuelson und andere (...) durchaus plausibel.“ „Das theoretisch begründete Argument von der Spezialisierung entsprechend der Faktorausstattung kann also fehlleiten. Darüber hinaus verweist es auf die Grenzen der Freihandelsdoktrin. Denn auf diese gestellt wird Entwicklung blockiert, erst der regulierende Staatseingriff kann die Entwicklungspotentiale mobilisieren.“ (Altvater/Mahnkopf 1996, 205 u. 210) Ein weiterer Autor aus dem gesellschaftskritischen Lager wiederholt das aus der Ricardoschen Außenhandelstheorie entsprungene Dogma von dem harmonischen nebeneinander der Privatproduzenten im Außenhandel (die „klassische industrielle Arbeitsteilung“), was aber leider im Zuge der Ausweitung des Handels mit „Waren des gleichen Typs“ (Altvater/Mahnkopf) durch eine ‚verschärfte‘ Konkurrenz ersetzt wurde, wenn er in seinem Beitrag zur Globalisierungsdiskussion schreibt: „Zwar wird die Struktur des globalen Handels immer noch von der klassischen internationalen industriellen Arbeitsteilung geprägt, (...). Dennoch zeigt sich eine neue Qualität nicht nur in der mit dem schnellen Wachstum des Handels einhergehenden Dynamik und Vertiefung der Handelsbeziehungen, sondern vor allem in der Verschiebung vom intersektoralen (Handel zwischen den Branchen) zum intrasektoralen Handel - d.h., der komplementäre Anteil am Welthandel geht zugunsten des substitutiven Anteils zurück. Dies hat eine Verschärfung der Konkurrenz in den Weltmarktbranchen zur Folge, was in der Zukunft auch für bestimmte Bereiche der Dienstleistungen gelten wird, (...)“ (Hoffmann 1999, 4; Herv. im Original) Die bislang angeführten gesellschaftskritischen Autoren fallen mit dieser Argumentation und der Verwendung der Ricardoschen Außenhandelskategorien zum Teil hinter Positionen zurück, welche inzwischen von einigen Wirtschaftswissenschaftlern gegen die Ricardosche Außenhandelstheorie vorgebracht wurden (vergl. Girschner 1999a u. b). Auf diese Diskussion innerhalb der Wirtschaftswissenschaften kann an dieser Stelle nicht mehr näher eingegangen werden, aber einige Fragen an die von mir zitierten gesellschaftskritischen Autoren können den fragwürdigen Rückgriff auf die Kategorien der Ricardoschen Außenhandelstheorie verdeutlichen, um so auch die dadurch hervorgerufene theoretische Verkehrung der kapitalistischen Vergesellschaftungslogik im Globalisierungsstreit nochmals herauszustellen: · Kann aufgrund des hohen Handelsanteils mit den angeblich gleichen stofflich-technischen ‚Gütern‘ (wo gibt es diese eigentlich?) auf eine intensivere Konkurrenz als bei einem Handel mit technisch verschiedenen ‚Gütern‘ geschlossen werden? · Herrscht denn beim sogenannten inter-industriellen Handel keine Konkurrenz, sondern nur eine stofflich wechselseitig ergänzende Harmonie zwischen den Staaten vor? Oder ist der inter-industrielle Handel nicht vielmehr ein Anzeichen für die völlige oder weitgehende Konkurrenzunterlegenheit (oder: -überlegenheit) einer Nation gegenüber einem anderen Land? · Aber kann überhaupt durch die stoffliche Klassifikation der ausgetauschten Waren auf die existierende Schärfe bzw. Intensität der kapitalistischen Konkurrenz zwischen den privaten Produzenten geschlossen werden? Hat es denn je einen kapitalistischen Außenhandel zwischen den Staaten ohne einen intensiven Konkurrenzkampf zwischen den ungleichen Privatproduzenten in und zwischen den Produktionszweigen gegeben? · Ist es überhaupt der Sinn und Zweck des Außenhandels die „Prinzipien der Spezialisierung“ (Altvater/Mahnkopf) in oder zwischen den Produktionszweigen durchzusetzen? Dreht sich denn der Außenhandel zwischen den gegeneinander konkurrierenden Privatproduzenten nicht allein um die Erzielung eines Extra- bzw. Durchschnittsprofits? · Gilt denn für die Autoren die erzwungene stofflich-technische Verwohlfeilerung bzw. Ausdifferenzierung der Waren, d.h. aber auch die damit einhergehende ‚Spezialisierung‘ bzw. Modernisierung der Produktion sowie die Erfindung neuer Waren, nicht als notwendige Methode der Privatproduzenten, um in der immerwährenden kapitalistischen Expansions-, Verdrängungs- und Behauptungskonkurrenz in und zwischen den Staaten einen Extraprofit erzielen zu können? Was für einen Sinn hat es in diesem Zusammenhang überhaupt, den Handel mit angeblich „Waren des gleichen Typs“ zu bedauern und als angeblich neuartige sowie konkurrenzverschärfende Entwicklung des Außenhandels hervorzuheben? Diese Fragen, die auf die besondere Formbestimmtheit des kapitalistischen Außenhandels und auf die damit konstituierten Kategorien verweisen, werden offensichtlich nicht bei den von mir zitierten Autoren aufgeworfen und beantwortet, wenn sie sich der Kategorien der Ricardoschen Außenhandelstheorie bedienen. Daß die aus der Außenhandelstheorie entspringenden und von den Autoren vermeintlich kritisch gewendeten Ricardoschen Kategorien des inter- und intra-industriellen Handels aus der Sicht der Marxschen Formbestimmung des modernen Kapitals ökonomisch-qualitativ völlig obsolet sind, weil sie den kapitalistischen Außenhandel in eine rein stofflich bestimmte Arbeitsteilung verkehren und dadurch mystifizieren, wird also sowohl bei den Kritikern als auch bei den Anhängern der Globalisierungsthese nicht gesehen. Die hier kritisierte Argumentation der angeführten Autoren erfährt schließlich ihre abschlußhafte Legitimation durch die von ihnen verwendeten Außenhandelsstatistiken, da die Außenhandelsstatistik die in der modernen Außenhandelstheorie unangezweifelten und deswegen allgemeingültig verwendeten stofflichen Klassifikations- und Sektoren-Kategorien als Grundlage für ihre Erhebungen der ökonomischen Einzeldaten selbstverständlich zugrunde legt. Die Außenhandelsstatistik ist insofern selbst ein Abfallprodukt der Ricardoschen Außenhandelstheorie und steht dieser somit nicht neutral bzw. prüfend und unabhängig gegenüber. Folglich werden die meisten von den Autoren angeführten statistischen Daten des Außenhandels schon vor ihrer eigentlichen Erhebung durch die in der Außenhandelstheorie vorgenommene ökonomisch-qualitative Reduzierung des kapitalistischen Außenhandels auf eine einfache Zirkulation vorstrukturiert. Die Autoren können, da sie sich kein hinreichendes Bewußtsein über die ökonomisch-qualitative Bestimmung der kapitalistischen Form der Arbeitsteilung bzw. über den Gegenstand ihrer Wissenschaft erarbeitet haben, dadurch ihre empirische Beschreibung und Analyse der aktuellen Entwicklung des kapitalistischen Weltmarktes offenbar nicht mehr jenseits des kategorialen Rasters der Ricardoschen Außenhandelstheorie entwickeln, geschweige diese adäquat kritisieren. 6. Fazit „Wer auf eine theoretische Kritik der politischen Ökonomie verzichtet, riskiert, selbst nur noch ideologisch zu argumentieren, im Nebel der ideologischen Feuerwerke den Kopf zu verlieren und nicht mehr zu wissen, um was es geht.“ (Joachim Hirsch 1991) Die in der Außenhandelstheorie vorgenommene stofflich-technische Unterscheidung bzw. Klassifizierung der ausgetauschten ‚Produkte‘ sowie die Verwendung des prä-gesellschaftlich bestimmten Dienstleistungsbegriffs aus der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft bildet, wie deutlich wurde, auch für die gesellschaftskritischen Anhänger und Kritiker der Globalisierungsthese das theoretisch mehr oder minder unhinterfragte kategoriale Grundgerüst zur Analyse der aktuellen Entwicklung des Weltmarktes. Damit sitzen sie nicht nur unhinterfragt dem neutralen Schein der in der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft allgemein gültig verwendeten Außenhandelskategorien und der Drei-Sektorentheorie auf. Vielmehr wird dadurch der kapitalistische Reproduktions- und Funktionszusammenhang des Kapitals theoretisch letztendlich verkehrt, mystifiziert und verschleiert, denn: Mit der Übernahme dieser ökonomischen Kategorien reproduzieren die Autoren, unabhängig von ihrem eigenen politischen und gesellschaftskritischen Selbstverständnis, die in der Ricardoschen Theorie unterstellte vorgesellschaftliche Qualität der internationalen Arbeitsteilung als ein harmonisch-stofflicher Arbeits- und Entwicklungszusammenhang zwischen unterschiedlichen Staaten, wo der Antriebsmotor und die Zwecksetzung in der außergesellschaftlichen und stofflich-technologischen Logik oder Evolution der Arbeitsteilung selbst liegen muß. Sie analysieren durch ihren unreflektierten Rückgriff sowohl auf die Ricardoschen Außenhandelskategorien als auch auf den Dienstleistungsbegriff den kapitalistischen Weltmarkt mit Hilfe des unentwickelten bzw. einfachen Tauschwertes, d.h. auf der theoretischen Grundlage dessen, was Marx einmal als ‚einfache Zirkulation‘ bezeichnet hat, wo der Tauschwert nur als verschwindender, damit nicht als ein sich selbst erhaltender und in der Produktion gesetzter sowie vermehrender Wert, sondern nur in dem kurzen Moment des Austauschaktes von überflüssigen Arbeitsprodukten zwischen fremden Gemeinwesen bzw. Staaten konstituiert wird. Es ist ein Tauschwert, welcher der unmittelbaren Produktion immer äußerlich und fremd gegenüber stehen muß, letztere nie ergriffen und nach seinen Bedürfnissen umstrukturiert und fortentwickelt hat. Aufgrund der aufgezeigten kategorialen Sorglosigkeit der meisten Autoren, d.h., weil sie letztendlich jenseits einer Theorie der Formbestimmtheit der kapitalistischen Arbeitsteilung argumentieren und dies noch nicht einmal als ein grundlegendes theoretisches Problem der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften begreifen, damit den Gegenstand ihrer Beschäftigung verfehlen, steht der theoretische als auch der empirische Erklärungs- und Beweisgehalt des skizzierten Globalisierungsstreites auf einer z.T. anfechtbaren bzw. zweifelhaften Grundlage. Insoweit ist es auch gar nicht mehr verwunderlich, daß im Streit zwischen den gesellschaftskritischen Anhängern und Kritikern der Globalisierungsthese - vor allem aufgrund des rein deskriptiven Charakters dieser Auseinandersetzung - keine neuen, vielmehr irreführende Erkenntnisse über den inneren Funktions- und Antriebsmechanismus des kapitalistischen Weltmarktes hervorgebracht wurden. Oftmals wird auch suggeriert, daß man wegen der ‚Globalisierung‘ eine neue Theorie der (kapitalistischen) Weltmarktdynamik erst noch entwickeln müsse (vergl. dazu Zinn 2000). Schließlich verbirgt sich vor allem, so meine hier nicht mehr weiter zu belegene These, hinter dieser bundesdeutschen Kontroverse zwischen den übrig gebliebenen gesellschaftskritischen Autoren die Auseinandersetzung über die richtige politische Handlungsoption und Sichtweise zur Regulierung der nationalstaatlich organisierten kapitalistischen Welt nach dem Zusammenbruch des „Kasernensozialismus“ (R. Kurz) (was sich u.a. auch in der allseitigen Sorge um die politische Steuerungsfähigkeit und Stabilität des Kapitalismus ausdrückt: vergl. Grande/Risse 2000). In diesem Streit hat man sich daher nicht nur weitgehend von der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie entfernt und emanzipiert, sondern man ist vielmehr in die falsche, aber als wahrhaftig angesehene empirische Kategorienwelt der Wirtschaftswissenschaften geflüchtet (einschließlich der Übernahme der darin enthaltenen dichotomischen Bestimmung des Verhältnisses von Politik und Ökonomie), die den Lesern als „kritische“ Grundlage und nicht als sozialwissenschaftliche Schimäre zur Analyse der Weltmarktdynamik präsentiert wird. Mit einer kritischen Theorie der kapitalistischen Weltmarktdynamik hat dies allerdings nicht mehr viel zu tun. Zusammenfassung Der Begriff der „Globalisierung“ erfreut sich in der Öffentlichkeit und in der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft großer Beliebtheit. Zugleich gibt es aber keine allgemeingültige Bestimmung, was genau darunter zu verstehen ist. Inzwischen wird auch im gesellschaftskritischen Lager heftig über die Aussagefähigkeit des Globalisierungsbegriffs gestritten. Der Beitrag greift deshalb die gesellschaftskritische Diskussion über die Globalisierung auf, um daran aufzuzeigen, daß sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Globalisierungsthese nicht nur auf einer rein ökonomisch-quantitativen und empirisch fragwürdigen Grundlage argumentieren, sondern vor allem die ökonomisch-qualitative Seite des Weltmarktes zur Bestimmung der aus der Wirtschaftswissenschaft entnommenen Kategorien vollständig unterschlagen. Unter Rückgriff auf die Marxsche Kritik der Ricardoschen Außenhandelstheorie wird deswegen sowohl die in der Globalisierungsdiskussion unhinterfragt verwendete Kategorie des Dienstleistungssektors als auch die des inter- und intra-industriellen Außenhandels kritisiert und für eine kritische Weltmarktanalyse verworfen. Dabei zeigt sich, daß diese Kategorien den kapitalistischen Weltmarktzusammenhang und damit den Reproduktions- und Funktionszusammenhang des Kapitals nicht nur mystifizieren und verschleiern, sondern ebenfalls unlösbare theoretische und empirische Bestimmungsprobleme verursachen, weil es prä-gesellschaftlich bzw. rein stofflich-technisch bestimmte Kategorien sind. Demgegenüber wird die Kategorie von Dienstleistungen aus den Marxschen Schriften als eine ökonomisch formbestimmte Kategorie rekonstruiert. Mit dieser Marxschen Bestimmung kommt der Beitrag zu dem verblüffenden Resultat, daß Dienstleistungen aus dem kapitalistischen Akkumulations- und Reproduktionsprozess und damit aus der Analyse des Weltmarktes herausfallen, weil diese eine nicht-kapitalistische Arbeitssphäre in der bürgerlichen Gesellschaft darstellen. Deswegen kann auch gar keine Rede davon sein, daß der Dienstleistungssektor gewachsen ist, vielmehr dürfte er weiter geschrumpft sein. Zudem wird dargelegt, auf welcher kategorialen Grundlage eine Marxsche Weltmarktanalyse beruhen sollte, wenn sie nicht den ökonomistischen bzw. kategorialen Verkürzungen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft aufsitzen will. Literaturverzeichnis verwendete Abkürzungen: MEW: Marx/Engels-Werke 42 (Grundrisse zur Kritik der politischen Ökonomie) TuMI/II/III: Theorien über den Mehrwert (MEW 26.1, 26.2, 26.3) MEGA: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Berlin
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Neyer unterminiert schließlich die heutige Form des Außenhandels die - wie auch immer hergeleitete und bestimmte - sozial-integrative Politik der Staaten, welche als Voraussetzung zur Erzielung eines klassenübergreifenen Gemeinwohls angesehen wird. Dementsprechend wird von einem bedauerlichen Verlust des Vorrangs der Politik gegenüber der Ökonomie gesprochen: „In der heutigen Weltwirtschafts(un)ordnung ist das Primat des Politischen über die Ökonomie weitgehend außer Kraft gesetzt und in sein Gegenteil verkehrt." (Neyer 1995, 16). [3] Freilich hat die von Glyn/Sutcliffe postulierte und von J. Huffschmid übernommene These auch Widerspruch hervorgerufen, wonach die OECD Staaten der Mitte der achtziger Jahre „durchschnittliche Exportquoten für Produkte der verarbeitenden Industrie aufwiesen, die weit unterhalb des Niveaus der Zeit vor 1913 lägen. Die vorgestellten Prozentsätze, ihre Richtigkeit einmal unterstellt, sind jedoch schon deshalb irreführend, weil alle diese Ökonomien im Zeitraum zwischen 1913 und 1997 einen gravierenden strukturellen Wandel erfahren haben, in dessen Folge nicht länger die Produktion von Waren der verarbeitenden Industrie, sondern die des tertiären Sektors dominiert. (...) Mit Ausnahme Japans, ..., weisen heute allerdings sowohl alle einzelnen OECD-Ökonomien als auch der OECD-Block insgesamt eine höhere exportseitige Weltmarktverflechtung auf als 1913.“ (Hübner 1997, 33) Allerdings klammert Hübner in seinem ökonomisch-quantitativen Hinweis zur Entwicklung des Außenhandels die kategoriale Kritik an der Begrifflichkeit des „tertiären Sektors“ völlig aus, welche eben eine spezifische, aber unhinterfragte ökonomisch-qualitative Bestimmung der bürgerlichen Arbeitsteilung beinhaltet, wodurch dann auch die weitere ökonomisch-quantitative Analyse des modernen Kapitals auf dem Weltmarkt vorstrukturiert und damit der darzulegende ökonomische Reproduktions- und Expansionszusammenhang des Kapitals auf den Kopf gestellt werden muß. Zu dieser in der Globalisierungsliteratur undiskutierten Problematik gebe ich später noch einige Hinweise. Von R. Hickel wird außerdem der Einwand erhoben, daß der von Huffschmid angeführte historische Vergleich wenig hergibt, denn: „Möglichkeiten und Strukturen des grenzüberschreitenden Warenhandels haben sich stark verändert. Das Wachstum des heutigen Welthandels vollzieht sich nicht mehr maßgeblich zwischen Metropolen und abhängigen Kolonien. Auch sind die technischen Möglichkeiten des Transports sowie der Informationsvermittlung revolutioniert worden. (...)“ (Hickel 1998, 185). [4] Dazu bemerkt G. Ziebura: „Neue Untersuchungen, die das Phänomen der Globalisierung im Detail analysieren (...), tendieren, trotz unterschiedlicher wissenschaftstheoretischer Prämissen, noch vorsichtig-tastend zu der Auffassung, daß sich erste Elemente eines neuen Akkumulationsregimes herauskristallisieren. Die kapitalistische Weltökonomie erhält insofern eine historisch neue Qualität, als sie sich in einen von den nationalen Ökonomien abgehobenen, immer mehr Eigenständigkeit gewinnenden Verwertungsraum verwandelt, von dem ein wachsender Anpassungsdruck auf die Teilsysteme, bis hinein in die kulturellen Wertvorstellungen, ausgeht.“ (Ziebura 1996, 93f.) [5] Altvater/Mahnkopf gehen daher so weit, theoretisch miteinander unvereinbare Ansätze zu einer großen Theorie des Weltmarktes zu amalgamieren, denn eine „Untersuchung von Marktprozessen ohne neoklassische und institutionalistische Kategorien dürfte scheitern.“ Schließlich gilt, ohne dies in ihrem Beitrag zur ‚Globalisierung‘ eingelöst zu haben: „Wer also als Neoklassiker, Keynesianer, Marxist, Institutionalist die Welt zu erklären beansprucht, dürfte so lange schief liegen, wie nicht Ingredienzien verschiedener Ansätze kombiniert werden.“ (Altvater/Mahnkopf 1996, 79f.) Ulrich Beck stellt ebenfalls heraus, daß sich der „Bezugsrahmen (...) verschoben“ hat. So ist für ihn „nicht nur unklar, was in der Ära des globalen Kapitals unter ‚Nationalökonomie‘ zu verstehen sei, sondern, grundlegender noch, wie ‚Wirtschaft‘ und ‚wirtschaftliches Handeln‘ überhaupt zu begreifen und gegen ‚Politik‘ usw. abzugrenzen sind.“ (Beck 1997, 181) Allerdings unternimmt Beck keinen Versuch, seine Frage ansatzweise zu beantworten, vielmehr weiß er aber gegenüber anderen Autoren, daß der von ihnen gebrauchte Ökonomiebegriff nicht haltbar bzw. ‚ökonomistisch‘ sei. Freilich ist U. Beck eine ökonomisch-qualitative Betrachtungsweise der ‚Ökonomie‘ und des Außenhandels völlig fremd, weshalb er z.B. nicht nur beständig von den ‚Gütern‘ und ‚Dienstleistungen‘ spricht, sondern ebenfalls die Ricardosche Außenhandelstheorie nur deshalb ablehnt, weil „wir in einer Welt leben, die weit entfernt ist von einem auf komparativen Kostenvorteilen beruhenden Freihandelsmodell á la David Ricardo.“ (ebd., 198) Einen theoretischen Einwand hat er also nicht vorzubringen. [6] Hieraus werden dann, wie oben erwähnt, wachsende soziale Polarisierungen in den Industrieländern gefolgert, welche ihren Wohlstand und damit den sozialen Frieden bislang durch den Außenhandel beständig vergrößern und sichern konnten: „Aus der Transnationalisierung der Produktion ergibt sich eine zunehmende Heterogenisierung der nationalen Ökonomien. Die daraus folgende gesellschaftliche Ungleichheit setzt der Lösung der Beschäftigungs- und Einkommensprobleme Grenzen, die durch den weiteren transnationalen Wettbewerb noch enger werden.“ (Narr/Schubert 1994, 45f.) Was allerdings eine stofflich homogene Industrie- und Wirtschaftsstruktur unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen ist und bedeutet, bleibt ein Geheimnis der Autoren, denn: wie läßt sich diese überhaupt bestimmen und klassifizieren, ohne in völlig willkürliche Konstruktionen und Behauptungen zu versinken? Diese rein stofflich-arbeitsteilige Sichtweise auf den kapitalistischen Produktions- und Verwertungsprozeß ist allerdings eine notwendige Konsequenz des selbst von den Autoren beteuerten Abschieds von der Marxschen „Arbeitswertlehre“ (Narr/Schubert 1994, 130). [7] Hierbei bedient sich Huffschmid gerne aus der Schatztruhe der Ricardoschen Außenhandelstheorie, wenn er z. B. die Standardformel aus den ökonomischen Lehrbüchern leicht verändert wiederholt: „Internationale Arbeitsteilung ist wünschenswert. Ihre Herstellung erfordert aber nicht nur Konkurrenz, sondern auch Kooperation. Hier sind wir an einem Kernproblem der modernen Ökonomie.“ (Huffschmid 1998, 663). An anderer Stelle legt Huffschmid dar, wie der kapitalistische Weltmarkt auch heute positiv funktionieren könnte, wenn man den entsprechenden politischen Willen aufbringen würde. Hierbei greift er auch auf Kategorien der Ricardoschen Außenhandelstheorie zurück, um zugleich den damit verbundenen Idealismus durch ein politisch zu institutionalisierendes Kooperations- und Planungsverhältnis zwischen den Staaten verwirklichen zu wollen. Folglich heißt es: „In einer ersten, relativ einfachen oder primitiven Variante wird das Verhältnis zwischen Binnenversorgung und Außenhandel folgendermaßen bestimmt: Die Verwirklichung binnenwirtschaftlicher Ziele - Beschäftigung, Versorgung, ökologische Verträglichkeit - erfordert den Import bestimmter Güter, die im Inland nicht oder nur zu ungünstigen Konditionen zu haben sind. Um sie zu bezahlen, muß ein Land eine entsprechende Menge Güter oder Dienstleistungen exportieren, sich also eine entsprechende Exportbasis schaffen. Der wirtschaftliche erwünschte Umfang des Exportsektors bestimmt sich durch den notwendigen Import. Es handelt sich um ein Muster, das im wesentlichen auf der unterschiedlichen Ausstattung verschiedener Länder mit Produktionsfaktoren beruht. Intraindustrieller Handel ist hierin nicht enthalten. In der zweiten und weitergehenden Variante wird der intraindustrielle Handel einbezogen. Die Märkte werden weitgehend geöffnet, durch internationalen Wettbewerb wird die heimische Industrie unter permanenten Druck zur Leistungsverbesserung gestellt. Außenhandel führt zu Kosten- und Effizienzvorteilen. Die Regierungen machen aber zugleich unmißverständlich klar, daß sie das Umschlagen von Wettbewerbsvorteilen in permanente Handels- oder Leistungsbilanzüberschüsse nicht hinnehmen werden und ihrerseits akzeptieren, daß dies auch für die Regierungen anderer Länder gilt.(...)“ (Huffschmid 1994, 739f.) Offensichtlich entgeht hier dem kritischen Ökonom, daß der kapitalistische Produktions- und Verwertungsprozeß ein herrschaftliches Produktionsverhältnis ist, welches nicht nur auf Unterordnung, Ausbeutung sowie auf einem Ausschließungs- und Zentralisierungsprozeß des Reichtums mit einer spezifischen Klassenstruktur beruht, sondern ebenfalls ein politisch nicht davon zu lösendes herrschaftsabsicherndes Macht- und Militärgefüge in Form von gegeneinander konkurrierenden Nationalstaaten hervorbringt. Jegliche Kooperation zwischen den Staaten ist daher nur ein herrschaftsabsicherndes bzw. -durchsetzendes Mittel innerhalb dieses beschriebenen Gefüges. [8] Eine Ausnahme von der Regel findet sich bei K. Hübner, der beispielsweise auf die prekäre bzw. z.T. unvollständige Datenlage über die internationalen Finanzmärkte aufmerksam macht, wenn er ausführt, daß die empirischen Untersuchungen über die Entwicklung des Finanzsektors vor dem Problem stehen, „daß insbesondere die monetären Aggregate schwierig zu erfassen sind. Meist wird auf Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gegriffen, die wiederum alle die Angaben auswerten und aufbereiten, die ihnen von den berichtenden Banken zur Verfügung gestellt werden. Nicht alle im monetären Weltmarkt engagierten Banken sind aber gegenüber der BIZ berichtspflichtig.“ (Hübner 1996a, 31; ders. 1998) [9] Für die pointiert skizzierten Positionen in dem Globalisierungsstreit gilt auch, daß sie von einem mehr oder minder unveränderlichen und statischen Gegensatz zwischen Politik und Ökonomie ausgehen (vgl. Burnham 1997), welcher, ohne dies hier näher begründen zu können, auch der Ricardoschen Außenhandelstheorie eigentümlich ist. [10] Diese Zwei-Welten-Theorie führt z.B. in einem Beitrag zur Globalisierungsdiskussion von einem wissenschaftlichen Referenten der Abteilung Wirtschaft der IG Metall zu der Aussage, daß die derzeitigen spekulativen „Finanzbewegungen“ auf dem Weltmarkt „nicht oder nicht immer den tatsächlichen realwirtschaftlichen Verhältnissen (entsprechen) und ... damit zu Fehllenkungen mit erheblichen negativen sozialen Folgen (führen).“ (Welzmüller 1997, 25) Diese hilflose Kritik an der unverstandenen kapitalistischen Dynamik, weil ein naturalistisch gefaßter Begriff von Arbeitsteilung verwendet wird, basiert darauf, die gute und handfeste Sphäre der Arbeit und des materiellen Reichtums gegen die abstrakte, anonyme Sphäre des Geldes auszuspielen, weil diese nicht mehr den ihr allein von dem Theoretiker zugeschriebenen Zweck ausübt, nämlich die neutrale Vermittlung des materiellen Reichtums zum Vorteil der am Außenhandel beteiligten Staaten zu sichern. Die in diesem Sinne verselbständigte und deswegen erst kritikwürdig gewordene Geldsphäre behindert bzw. gefährdet dann für den Autor die wohlstandsfördernde Entwicklung der stofflich-technischen Realsphäre. Diese Argumentation wird bei J. Neyer durch eine moralistische Kritik ergänzt, da er die Geldsphäre schon von Anfang an als eine der ‚realen Produktion‘ äußerlich bleibende „symbolische Ökonomie“ gefaßt hatte, weshalb er auch ausführt, daß der „heutige Zustand, dass binnenwirtschaftlich benötigtes Investitionskapital sich in unproduktiven und weltwirtschaftlich destabilisierenden spekulativen Blasen um sich selber dreht, (...) nur als krankhaft beurteilt werden (kann)." (Neyer 1995a, 24f.; ähnlich: Huffschmid 1999) [11] In einem aktuellen Aufsatz von zwei Ökonomen wird die Gültigkeit der Ricardoschen Außenhandelsthorie für den kapitalistischen Weltmarkt dogmatisch behauptet, um zugleich die „Fehlurteile über (die) Globalisierung“ zu korrigieren, die derzeit vor allem von Nicht-Ökonomen publiziert werden: „Außenhandel ist in erster Linie deshalb wohlfahrtssteigernd, weil er zu einer effizienteren internationalen Arbeitsteilung führt. Dies ist unmittelbares Ergebnis eines der wichtigsten Theoreme, die die Volkswirtschaftslehre zu bieten hat, des auf David Ricardo zurückgehenden Theorems der komparativen Kostenvorteile. (...)“ (Prinz/Beck 1999, 13; weitere Belege für das unbeirrbare Festhalten an der Ricardoschen Außenhandelstheorie in der Wirtschaftswissenschaft finden sich in: Girschner 1999). Wenn man dann von gesellschaftskritischer Seite die vorherrschende Ricardosche Außenhandelstheorie nicht theoretisch kritisieren kann, d.h. ökonomisch-qualitativ, so werden stets empirische Resultate gegen die Ricardosche Außenhandelstheorie angeführt, um diese partiell in ihrer Gültigkeit zu entkräften. Heraus kommt bei einem solchen von Altvater/Mahnkopf angewandten Verfahren z.B. die folgende hilflose Aussage: „(...), daß die Versprechen des freien Handels einerseits nicht alle leer sind, aber andererseits auch nicht jenen Wohlstandszuwachs für alle Welthandelspartner bringen, den die auf dem Theorem der komparativen Kostenvorteile aufbauenden Modelle vorsehen.“ (Altvater/Mahnkopf 1996, 245) [12] In der Außenhandelsstatistik ist der Dienstleistungssektor ein integraler Bestandteil der Leistungsbilanz, welche sich in Handels-, Übertragungs- und Dienstleistungsbilanz aufteilt. Bei der Dienstleistungsbilanz verbucht man Ausgaben und Einnahmen von folgenden Gebieten: Tourismus, Transport, Kapitalerträge bzw. Finanzdienstleistungen, Militär- und Regierungskosten, Werbe- und Messekosten, Postdienste, Versicherungsleistungen, Managementarbeiten, Beratungsdienste etc.. [13] Diese Argumentation eines stofflich-technischen und deshalb gesellschaftslosen Realismus findet man z.B. auch bei dem gesellschaftskritischen Ökonom K.G. Zinn wieder, wenn er in einem Aufsatz ausführt: „Die Entwicklungsrichtung wies vom sekundären, industriellen Sektor zum tertiären, dem Dienstleistungssektor. In der Tat zeigen die empirischen Daten der OECD für die vergangenen 30Jahre eine eindeutige Bestätigung jener Prognose (...). Allerdings reichte das Wachstum der Dienstleistungsplätze weder quantitativ noch qualitativ aus, um den Beschäftigungsverlust im primären und sekundären Sektor zu kompensieren.“ (Zinn 1996, 2; vgl. ders. 1999) Diese überhistorische und naturalistische Bestimmung der Kategorie der Dienstleistungen, d.h. der vollständigen Ausblendung der sozialen Formbestimmung von Dienstleistungen, zeigt sich bei Zinn auch in einem Aufsatz von 1997a, wenn es dort heißt: „Lebenswichtige Dienste (z.B. medizinische und soziale im weiteren Sinne) wurden schon von vorgeschichtlichen Ethnien benötigt.“ Demnach sind Dienstleistungen von Beginn der Menschheit an im angeblich ewig gleichbleibenden Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur angelegt. [14] Diese These hat inzwischen eine allseits anerkannte Karriere in der Globalisierungsdiskussion hinter sich. Sie gilt deswegen wohl auch als allgemeingültige Tatsache sowohl bei den Anhängern als auch bei den Kritikern der Globalisierungsthese. Hierzu einige Kostproben: Die „Internationalisierung des Dienstleistungsgewerbes“, so bemerkt zum Beispiel D. Senghaas, „(ist) zu einer inzwischen besonders markanten weltwirtschaftlichen Wachstumsbranche geworden.“ (Senghaas 1993, 51). Bei anderen Autoren wiederholt sich diese These in anderer Form: Die „Veränderungen der Weltwirtschaft“ wird u.a. durch die „Zunahme der Dienstleistungen und die Abnahme der Beschäftigung in der Fertigungsindustrie“ begründet (Jessop 1996, 58ff.). „Tertiarisierung und Entstofflichung“ des Welthandels (Kappel 1995, 85), „wachsende Rolle des tertiären Sektors in der Weltwirtschaft“ (Hein 1995, 76) oder „Aufwertung des unsichtbaren Handels“ (Brock/Albert 1995, 264) heißt es bei anderen Autoren. Oder es wird ausgeführt: Der „schon vorher in den entwickelten kapitalistischen Ländern vollzogene Strukturwandel zugunsten des tertiären Sektors“ hat sich „auch in der Weltwirtschaft durchgesetzt. Der Dienstleistungssektor ist im letzten Jahrzehnt - vor allem im Bereich Finanzierung und Handel - überproportinal gewachsen...“ (Burchardt 1995, 28; vgl. ders. 1996; Welzmüller 1997). [15] Offe leistet sich allerdings in seiner früheren Auseinandersetzung mit den verschiedenen Dienstleistungstheorien den Widerspruch, daß er wissen will, daß es ein unbestreitbares Wachstum des Dienstleistungssektors gibt, gleichzeitig aber zugibt, daß er nicht weiß, wie Dienstleistungen theoretisch adäquat bestimmt werden können (Offe 1984, 232). Wenn man aber nicht weiß, was Dienstleistungen eigentlich sind, wie kann man dann wissen, dass diese ökonomisch unaufhaltsam expandieren? [16] In der sozialwissenschaftlichen Diskussion wird aufgrund der „verwirrende(n) Bestimmung von „Dienstleistungen“ als Dienstleistung angesehen, „was in der amtlichen Statistik, also per Konvention, als Dienstleistung geführt wird.“ (Häußermann/Siebel 1995, 149) Die jedoch von den beiden Autoren Häußermann/Siebel vorgebrachte Kritik an diesem Vorgehen und an der statistischen Klassifizierung bleibt allerdings selbst in dem von ihnen kritisierten theoretischen Rahmen der stofflich-technischen Betrachtungsweise der kapitalistischen Ökonomie, also einer ökonomisch formblinden Theorie, stecken, wenn sie glauben, dass das statistische Einordnungsproblem allein darin begründet ist, dass es derzeit nur eine Statistik der „Industriegesellschaft“, nicht aber „der Dienstleistungsgesellschaft“ gibt (ebd., 149). Der Mangel liegt also für die Autoren nur darin, daß der „soziale Wandel (...) die Kategorien, mit denen die Statistik soziale Wirklichkeit beschreibt, veralten“ läßt (ebd., 151). „Wenn“, so führen die beiden Autoren weiter aus, „die Landwirtschaft industrialisiert, die Industrie tertiarisiert, die Dienstleistungen verstofflicht und die informelle Arbeit in den Haushalten zunehmend auf industriell gerfertigte Werkzeuge und Maschinen angewiesen ist, macht die klassische Abgrenzung der Sektoren für eine Theorie sozialen Wandels immer weniger Sinn. Eben diese Prozesse der Verstofflichung und Vergesellschaftung, ihr Verlauf und die Faktoren, die diesen Wandel bestimmen, müssen daher Gegenstände einer Analyse von Dienstleistungen sein. (...)“ (ebd.,155). Die überlieferte prä-gesellschaftliche Dienstleistungsbestimmung in der Sozialwissenschaft und in der Statistik ist daher aus der Sicht der Autoren letztendlich nur aus rein historischen bzw. stofflichen Gründen nicht mehr (früher aber schon!) in der Lage, eine adäquate Analyse des heutigen gesellschaftlichen Wandels zu geben. Eine ökonomisch-qualitative Kritik an der Dienstleistungsbestimmung haben sie daher ebenfalls nicht vorzubringen [17] Auch die von Häußermann/Siebel gelobte soziologisch-funktionalistische Dienstleistungs-Definition von Berger/Offe, die alle Probleme als gelöst betrachtet, wenn man Dienstleistungen als „formbeschützende Tätigkeiten“ „der historischen Verkehrsformen und Funktionsbedingungen einer (!) Gesellschaft und ihrer Teilsysteme“ und diese als „Instandhaltung von etwas“, d.h. der „ ‚herstellenden‘ Arbeiten“, bestimmt, welche das angebliche „physische Überleben“ garantieren sollen, kann sich gerade nicht - wie die Autoren suggerieren - von einer willkürlichen Klassifizierung und Bestimmung der verschiedenartigen Arbeiten als Dienstleistungen lösen (Häußermann/Siebel 1995, 155f.; Ausrufungszeichen von mir). Die Besonderheit dieses Ansatzes liegt darin, daß sowohl auf die funktionalistische System-Soziologie samt einem dazu neu erfundenen Formbegriff, um damit die Dienstleistungen zu definieren, als auch auf einen rein stofflich-technologischen bzw. prä-gesellschaftlichen Ökonomiebegriff zurückgegriffen wird, um industriell-materielle Arbeiten als solche bestimmen und von der Dienstleistungsarbeit unterscheiden zu können. Sie setzen weiterhin für ihre funktionalistische Bestimmung von Dienstleistungen die traditionelle Bestimmung und Unterscheidung zwischen Dienstleistungen als immaterielle Arbeit und industrielle Arbeit als materielle Arbeit heimlich voraus, haben diese - wie sie jedoch mehrfach behaupten - also keineswegs überwunden. So fällt es schon gar nicht mehr als Widerspruch auf, dass in ihrer theoretischen Sicht alle die von ihnen definierten Dienstleistungen, welche ja angeblich nicht durch ihre physische Qualität bestimmt sein sollen, nie einen industriellen Charakter besitzen. Aber warum sollen industrielle Arbeiten nicht auch „formbeschützende“ Tätigkeiten sein? Wer bestimmt hier eigentlich nach welchem Maßstab, was „herstellende Arbeit“ oder „formbeschützende“ Tätigkeit ist? Diese völlige Beliebigkeit und Willkürlichkeit stellt klar, daß die Autoren keine genauere Bestimmung von Dienstleistungen entwickelt haben, sondern eine solche nur suggerieren. Denn die Dienstleistungen als Arbeiten kommen als solche gar nicht in Betracht, sondern sie werden von vornherein unter dem Aspekt ihres angeblichen und willkürlich behaupteten Funktionierens für eine nicht näher sozio-ökonomisch und historisch bestimmte arbeitsteilige Gesellschaftsordnung, dem gesellschaftlich absolut Höheren, bestimmt, wo sie die Leistung der Integration und damit der Aufrechterhaltung des vorausgesetzten Systems übernehmen. Und dieses vorausgesetzte gesellschaftliche System kennt einerseits nur eine naturalistische, prä-gesellschaftliche Bestimmung, also keine ökonomische Formbestimmung der Arbeitsteilung, andererseits besitzt es außerdem nur noch den politik-ökonomisch inhaltsleeren Zweck, sich als System selbst zu erhalten, d.h., die Stabilität und den Bestand seiner selbst zu garantieren. [18] Im Zusammenhang mit den tertiären Direktinvestitionen auf dem Weltmarkt wird u.a. von Hübner folgendes Problem in der statistischen Erfassung ausgeführt: „(...). Es sei nur erwähnt, dass sich damit ein statistisches Erfassungs- und Zuordnungsproblem ergibt. Auf der einen Seite wird durch die Ausgründung von Finanz- und Rechnungsabteilungen sowie durch operative Zusammenfassung der Geschäftsfelder in Form von Holdings das Gewicht des tertiären Sektors bei den ausländischen Direktinvestitionen überschätzt (...). Auf der anderen Seite werden operative Tätigkeiten transnationaler Industrieunternehmen infolge statistischer Konventionen auch dann dem tertiären Sektor zugeschlagen, wenn es sich dabei funktional um eindeutig auf den industriellen Produktionsprozeß bezogene Tätigkeiten handelt. In diesem Sinne findet eine Unterschätzung des Gewichts des sekundären Sektors statt.“ (Hübner 1998, 213) Freilich ist dies für einen kritischen Ökonomen kein Grund, die Dienstleistungskategorie samt der dazugehörigen Statistik aus einer ernsthaften Analyse des Weltmarktes zu verbannen. [19]) Nach einer Erklärung der Hübnerschen Begriffsschöpfung „sektorale Wertschöpfung“ der tertiären Arbeiten sucht man vergebens. Aber was heißt hier eigentlich ‚Wert‘, der dann auch noch in einem statistisch schwer zu bestimmenden und zu definierenden Sektor ‚geschöpft‘ wird? Da sich der Autor bewußt von der Marxschen Werttheorie abgewendet hat, fragt man sich desweiteren, was die Kategorie Wert hier eigentlich noch besagt und beinhaltet. Solche Fragen nach dem ökonomisch-qualitativen Inhalt der verwendeten Wert-Kategorie werden folglich erst gar nicht mehr vom Autor gestellt und beantwortet. Aber über was redet dann der Autor, wenn dieser noch nicht einmal die von ihm verwendeten Kategorien ansatzweise zu erklären vermag? [20] Polster/Voy treiben die notwendig aus der stofflich-technischen Bestimmung der Arbeitsteilung entspringende Verwirrung auf die Spitze, wenn sie gemäß der auch von Neyer geteilten Dienstleistungs-Kriterien festhalten, dass „Dienstleistungsberufe (...) in warenproduzierenden Unternehmen zu finden (sind), Arbeiter in Dienstleistungsunternehmen. Warenproduktion kann Vorleistung für letztlichen Dienstleistungsverbrauch sein, Dienstleistungen können Vorleistungen für letztliche Warenproduktion sein." (Polster/Voy 1991, 43) Warum eigentlich umfaßt die „Warenproduktion“ nicht auch die Arbeiten, die nach den Autoren technisch-stofflich nicht mehr als industrielle Arbeiten gelten sollen? Demzufolge entspringt bei den Autoren die Zweckbestimmung des Arbeitens nicht aus der sozialen Formbestimmung der Produktion, sondern allein aus der Unterscheidung materielle/immaterielle Arbeitsverausgabung. Damit gilt nur die industrielle Arbeit als Warenproduktion, d.h., die Kategorie der Warenproduktion wird rein stofflich-technisch und damit als vorgesellschaftlicher Akt des materiellen Arbeitens bestimmt. [21] Gerade das „Fehlen“ der Herausarbeitung des „gesellschaftlichen Prozeß(es)“ bzw. der ökonomischen Formbestimmung der kapitalistischen Produktionsweise „(bildet) gerade die wissenschaftliche Grundlage der bürgerlichen Nationalökonomie und ihrer Methoden (...). Und daraus ergibt sich schon der merkwürdige Umstand, daß die Nationalökonomie über ihren Forschungsgegenstand, ihren Stoff selbst im dunkeln ist, indem ihre gelehrten Historiker krampfhaft den Anfängen der nationalökonomischen Theorien im ersten Morgengrauen der menschlichen Geschichte, im klassischen Orient, beinahe bei dem Affenmenschen, kurz überall da nachspüren, wo sie ebensowenig zu finden ist wie ihr einziger wirklicher Gegenstand - die kapitalistische Produktionsweise.“ (Luxemburg 1/2, 469f.) [22]
Ein Kapitalist kauft Dienste, „d.h. Arbeit, die er zur Befriedigung
irgend einer Sorte Bedürfnisse braucht, die er aber kauft ihres
Gebrauchswerths wegen, nicht als [23] „Wo Austausch des Geldes direkt gegen Arbeit stattfindet, ohne daß letztre Capital produciert, also nicht productive Arbeit ist, wird sie als Dienst gekauft, was überhaupt nichts als ein Ausdruck für den besondern Gebrauchswerth ist, den die Arbeit leistet, wie jede andre Ware; (...)“ (MEGAII 3.6, 2175) [24] An dieser Stelle wird nochmals deutlich, welchen zentralen Wert die Kategorie der „einfachen Zirkulation“ für die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie besitzt. Diese hat also eine dreifache Funktion: a) als Bestimmung des vorkapitalistischen Austausches als besondere historische Form der Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Gemeinwesen, wo der Tauschwert nur als einfache, verschwindende Form im Akt des Austausches konstituiert wird; b) als Oberfläche der kapitalistischen Produktion und damit als Sphäre des Scheins, wo für den Ökonomen die kapitalistische Produktionsweise nur als stofflich-materieller Prozeß erscheint, dem eine äußerliche Sphäre des Austausches und des Geldes gegenübersteht; c) als Kategorie, um innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft nicht-kapitalistische Formen der Produktion von Gebrauchswerten, welche aber lohnförmig betrieben werden, von der kapitalistischen Warenproduktion unterscheiden und bestimmen zu können (vgl. Girschner 1999). [25] „Bei dem Austausch von Geld gegen Arbeit oder Dienste zu unmittelbaren Konsum findet immer wirklicher Austausch statt; daß auf beiden Seiten Arbeitsquanta sich austauschen, hat nur formelles Interesse, um die besondern Nützlichkeitsformen der Arbeit aneinander zu messen. Es betrifft nur die Form des Austauschs; bildet aber nicht seinen Inhalt. Bei dem Austausch von Kapital gegen Arbeit ist der Wert nicht Messer für den Austausch zweier Gebrauchswerte, sondern der Inhalt des Austauschs selbst.“ (G, 381). [26] „Das Geld ist bei ihnen immer nur der Tauschwerth als verschwindende Form, um eines Gebrauchswerths habhaft zu werden.“ (MEGAII 3.1, 120) „Das Geld wird also nicht zu Capital, sondern umgekehrt, verliert sein Dasein als Tauschwerth, um als Gebrauchswerth aufgezehrt zu werden“ (MEGAII 3.6, 2174f.) [27] Auch in der neuesten Veröffentlichung von R. Kurz wird dieser naturalistische Zugriff - trotz seiner Kritik an der soziologischen Dienstleistungsbestimmung - auf die „Dienstleistungs“-Problematik nicht überwunden, sondern fortgesetzt, indem nun „Dienstleistungen“ zum überwiegenden Teil einer „sekundäre(n) Warenproduktion“ angehören sollen. Deshalb können für Kurz die Dienstleistungen die Zusammenbruchstendenz des Kapitals nicht aufhalten, denn statt das Kapital selbständig zu vermehren, sind sie in ihrer ökonomischen Existenz vielmehr vom industriellen Sektor abhängig (Kurz 1999, 718ff.). [28] Inwieweit diese Arbeiten einen für den kapitalistischen Reichtumsprozeß reproduktiven oder unreproduktiven Charakter haben, wird hier ausgeklammert. [29] Verwunderlich ist es deshalb keinesfalls, wenn die Autoren nicht in der Lage sind, die Ricardosche Außenhandelstheorie aus ökonomisch-qualitativer Sicht adäquat zu kritisieren. Dies kann hier allerdings aus Platzgründen nicht näher belegt werden. Auch die Prokla-Redaktion kennt die ökonomisch-qualitative Kritik der Ricardoschen Außenhandelstheorie von Marx nicht, weshalb diese u.a. in einem Editorial ausführt, dass „das ehrwürdige Theorem der komparativen Kostenvorteile von David Ricardo" von der „Ökonomenzunft“ „differenziert, relativiert und modernisiert“ wurde, so dass, wenn „man von den Sarkasmen absieht, mit denen beispielsweise Marx sich über die britischen Freihändler mokierte“, nur „Friedrich List die Gegenposition“ markiere (Prokla 1993, 3). Insofern kann auch die Prokla-Redaktion keine theoretische, sondern nur eine fragwürdige empiristische Kritik an der Ricardoschen Außenhandelstheorie formulieren, deshalb wird die Betonung daraufgelegt, dass „heute immerhin 50 bis 60 Prozent des Welthandels Intrakonzernhandel sind, da ‚administered prices‘ und nicht frei gebildete Marktpreise faktuiert werden“, folglich „kann durch den Marktmechanismus das (unterstellte) Wohlfahrtsoptimum des freien Handels nicht mehr garantiert werden." (ebd., 9; ähnliche Argumentation bei dem Weltbank-Theoretiker H. Daly 1994) Aber auch der marxistische Vertreter der Regulationstheorie A. Lipietz vermag keine Kritik der Ricardoschen Außenhandelstheorie zu formulieren. Vielmehr verbleibt er in dem schon immer vorgegebenen Kontext der Wirtschaftswissenschaft, wenn er das Theorem des „absoluten Vorteils“ von A. Smith gegenüber dem komparativen Kostenvorteil zur Erklärung des sich hierarchisch veränderten Weltmarktes bevorzugt (Lipietz 1997, 14ff., 18).
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