Forschungsprojekt

Selbststeuerung logistischer Prozesse – Ein Paradigmenwechsel und seine Grenzen

Teilprojekt A2 – Nachhaltiges Management für Selbststeuerung in logistischen Prozessen – Konzipierung, Chancen und Grenzen


Projektleitung SFB: Prof. Dr. Othein Herzog
Leitung Teilprojekt A2: Prof. Dr. Georg Müller-Christ
Projektdurchführung: Dipl. Kffr. Ina Ehnert, Dipl. Oec. Lars Arndt.
Laufzeit: Januar 2004 bis Dezember 2007
Förderung durch Deutsche Forschungsgemeinschaft.

In diesem Teilprojekt werden die Grundvoraussetzungen zur Verstetigung der Selbststeuerung in logistischen Prozessen von Anfang an mitgedacht und miterforscht. Die grundsätzlichen organisationstheoretischen und personalwirtschaftlichen Fragen dieser Führung des sozialen Systems Unternehmung zu mehr Selbststeuerung lauten: Was sind die Voraussetzungen, damit Entscheidungen für mehr Selbststeuerung getroffen werden und das Selbststeuerungsniveau dauerhaft aufrecht erhalten wird?

Die Erhöhung des Selbststeuerungsniveaus von unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden logistischen Prozessen hat erhebliche Konsequenzen für die Führung des Unternehmens. Diese Konsequenzen lassen sich ableiten aus dem Grunddilemma von Selbststeuerung: Je mehr Informationen dezentral verarbeitet werden, desto flexibler kann auf komplexe Situationen reagiert werden, desto schwerer ist es aber zu kontrollieren, ob die Entscheidungen im Sinne des Unternehmens zweckorientiert getroffen worden sind. Die Notwendigkeit für mehr Selbststeuerung macht für heutige Unternehmen einen Widerspruch sichtbar, der systemtheoretisch schon länger erkannt worden ist: Systeme können nur dauerhaft überleben, wenn sie sowohl ihre Zwecke erreichen als auch ihren Bestand sichern. Dieser duale Erfolgsbegriff - Zweckerreichung und Bestandserhaltung – ist die Zielgröße eines nachhaltigen Managements.

Ziel des Teilprojektes ist es, diese Managementaufgaben im Kontext selbststeuernder logistischer Prozesse zu erforschen und in ein Konzept eines nachhaltigen Managements zu integrieren. Um zu praktischen Gestaltungsempfehlungen zu kommen, wird das Dilemma von Selbst- und Fremdsteuerung analytisch in drei Managementfragen zerlegt (Widerspruchs-, Grenz- und Partizipationsmanagement). Die Managementlösungen werden dann mithilfe des Bezugsrahmens eines nachhaltigen Managements integriert und zu einem Managementsystem für die Selbststeuerungsprozesse in logistischen Prozessen ausgebaut. Hierbei wird besonders Wert gelegt auf die Unterscheidung von unternehmensinterner Selbststeuerung (Produktionslogistik) und unternehmensexterner (Transportlogistik).

Die zahlreichen theoretischen Überlegungen zur Selbstorganisation in der allgemeinen Managementlehre wie auch in speziellen Anwendungsgebieten (z. B. in Technologienetzwerken haben zu differenzierteren und konkreteren Fragestellungen geführt. Das Grundproblem von Zweckverfolgung und Bestandssicherung in der Form des Dilemmas von Fremd- und Selbststeuerung wird daher in die folgenden Teilaufgaben zerlegt, die sich logisch aus der Notwendigkeit ergeben, Informationsprozesse zu dezentralisieren:

1. Systeme müssen den Widerspruch zwischen Selbststeuerung und Fremdsteuerung in logistischen Prozessen bewältigen, um die Vorteile der Selbststeuerung auch wirklich effizient nutzen zu können (Widerspruchsmanagement).

2. Systeme müssen die Anpassungsflexibilität und Komplexitätsaufnahmefähigkeit der logistischen Systeme und Prozesse erhöhen, indem zwar die Grenzen zwischen den Abteilungen und zu kooperierenden Unternehmen durchlässiger gestaltet werden, aber gleichzeitig eine Abgrenzung gegenüber der Umwelt vorgenommen wird, die Voraussetzung der Identitätserhaltung und damit der Systemexistenz ist (Grenzmanagement).

3. Systeme müssen die Beziehungen zwischen Abteilungen und zu den kooperierenden Unternehmen partizipativer gestalten, um die unterschiedlichen Werte, Interessen und Eigengesetzlichkeiten der Partner zu verstehen und zu berücksichtigen und die Entscheidungen und Handlungen der Akteure zielführend koordinieren zu können (Partizipationsmanagement).

4. Systeme müssen diese drei Managementaufgaben als Bestandteil eines nachhaltigen Managements von selbststeuernden Prozessen verstehen, welches sowohl die Zweckerreichung des Unternehmens (Effizienz) als auch den dauerhaften Bestand (Nachhaltigkeit) anstrebt (Nachhaltiges Management).

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